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Religionsphilosophischer Salon

Freitag | 22. März 2019 | 19:30h | Guten Abend Welt | Musikalisch-poetische Ostergedanken

Pastorin Isabel Klaus und das Radial Quartett | Rembertikirche  

Der erste Salonabend 2019 wird poetisch-musikalisch. Im vergangenen Jahr habe ich während der Ostertage kurze Texte geschrieben, die auf ihre Weise das Osterfest zum Klingen bringen. Es sind Ostergedanken in einer einst vom Tau getauften Welt, die die traditionelle Ostertheologie in unsere heutige Welt überführen. Denn Ostern ist ein Fest, das es uns mit seinem Spannungsbogen von Gründonnerstag über Karfreitag bis zur Auferstehung, nicht einfach macht. Bestimmte Aspekte der Ostertheologie bereiten uns manchmal Kopfschmerzen: Warum starb Jesus? Wie konnte er die ganze Sünde der Welt tragen? Kann sein Sterben mich heute erlösen? War er wirklich von Gott verlassen? Ist er leiblich auferstanden? An diesem Salonabend taste ich in einem Zwiegespräch mit der Welt nach Antworten auf diese Fragen. „Guten Abend Welt, grün leuchten deine Donnertage in dieser Nacht. Kühl kommst du daher und deine Nächte sind von Einsamkeit trunken, von Sehnsucht tief gefüllt wie mein ganzes Ich.“ Musikalisch haben wir das „Radial Quartett“ zu Gast. Vier Musikerinnen nehmen uns mit auf eine musikalische Reise durch die großen Werke der Quartettliteratur. Eine der Musikerinnen ist Lynda Cortis, die uns mit ihrem looping Cello schon oft an den Salonabenden verzauberte. Wir werden u.a. Werke von Schostakowitsch, Mendelssohn und Britten hören. Überhaupt wird die Musik an diesem Abend mehr Raum einnehmen als die kurzen poetischen Texte, weil Musik die Worte erst fliegen lässt. 

Freitag, 22. März, 19:30h | Guten Abend Welt | Musikalisch-poetische Ostergedanken | Pastorin Isabel Klaus und das Radial Quartett | Rembertikirche 


Religionsphilosophischer Salon

Der Religionsphilosophische Salon wurde im April 2013 gegründet. Anders als die Salons im 19. Jahrhundert, trifft man sich nicht in privaten Wohnzimmern, sondern in den Räumen der St. Remberti-Gemeinde. Der Salon ist für alle offen. Er ist ein Ort, an dem Themen aus der liberalen Theologie Raum bekommen und kommuniziert werden, wo man philosophieren und tiefer einsteigen kann in Themen, die unser Menschsein und das Leben in unserer Welt betreffen. Nicht nur durch die Themen und Referenten sind es immer wieder spannende Abende, sondern auch durch die musikalische Gestaltung verschiedener MusikerInnen. Natürlich darf an diesen Abenden auch der Weinausschank nicht fehlen, der zum Verweilen einlädt und die Möglichkeit gibt miteinander und mit den Referenten ins Gespräch zu kommen. Die Besucherzahlen liegen zwischen 50 und 150 Gästen. | Pastorin Isabel Klaus


Salonarchiv

Mai 2018 | Pastorin Isabel Klaus | Der Kühlschrank in der Tupperdose | Über Schleiermacher, den Urgroßpapa der liberalen Theologie

Stille lag in der Herren-WG. Schlegel schlief friedlich. Das Federbett hob sich gleichmäßig auf seinem Bauch wie eine Meereswoge. Schleiermacher, im Zimmer nebenan, lag wie eingefroren unter seiner Decke. Da rührte sich nichts. Nur ein schneidend klarer Lichtstrahl, der einsam durch die Vorhänge fiel, lag auf Schleiermachers feinem Gesicht. Kleine Staubflusen tanzten in diesem Trichter der ewig glühenden Morgensonne Berlins. Diese unscheinbaren Partikel ließen erahnen, dass da etwas in Bewegung war und den reglosen Schleiermacher jeden Moment hochfahren lassen würden, als hätte ihn der Stahl der Erkenntnis getroffen. Und so geschah es. Eine kleine tanzende Staubfluse verfing sich in seiner Nase und setzte ein unaufhaltsames Kitzeln in Gang. Niesend fuhr Schleiermacher hoch und stieß aus, was ihn die ganze Nacht beschäftigt hatte: „Das Unendliche im Endlichen“ und das Licht umstrahlte seine weiten Augen. Dieser Satz war sein theologischer Durchbruch. Das Unendliche im Endlichen. Und wie ich ihn so aufrecht sitzen sah in seinem Nachthemd aus dem 19. Jahrhundert, fragte ich mich, wie er das wohl meinte. Das Kleine im Großen? Also die Tupperdose im Kühlschrank? Nein. Er meinte es andersherum. Den Kühlschrank in der Tupperdose. Das Große im Kleinen. Eben einfach das Unendliche im Endlichen. 

Ist doch ganz einfach. Ich freue mich jedenfalls, zum ersten Religionsphilosophischen Salon 2018, am 25. Mai einladen zu dürfen. Die theologischen Gedanken von Friedrich Schleiermacher (1768-1834) gelten als Grundstein liberaler Theologie, der sich auch Remberti in besonderer Weise verbunden fühlt. Freilich ist es nicht immer einfach, die geschnörkelten Sätze des theologischen Denkens aus dem 19. Jahrhundert einfach zu verstehen. Daher werde ich den Vortrag über Schleiermacher in dem eben dargestellten Stil narrativ halten und es wird sicherlich an kleinen schleiermacherischen Schrulligkeiten nicht mangeln und gleichzeitig lassen sich so wichtige Punkte seines Denkens, das heute nach wie vor von großer Aktualität ist, transportieren.

April 2017 | Gerd Klatt | Mit Gott an der Denkbar

Mein zweiter Gast wird Pastor Gerd Klatt sein, Reformationsbeauftragter der BEK. Sein besonderes Projekt ist die „Denkbar“ in Wittenberg. Die Nordkirchen haben einen alten wittenberger Friseursalon in eine Begegnungsstätte verwandelt. „Denkbar“ heißt dieser Laden und lehnt sich an ein Berliner Konzept des Theologen Ernst Lange an, der in den 60er Jahren in Berlin Spandau eine alte Bäckerei zur Ladenkirche machte. Über die Wittenberger „Denkbar“, das Reformationsjubiläum und auf welche Weise Gott nach 500 Jahren denkbar wird, wird Gerd Klatt berichten.

März 2017 | Peter Weismann | Das ver-rückte Zimmer

Zu Beginn des Jubiläumsjahres der Reformation wird mein erster Gast Peter Weismann sein und seinen Beitrag zum Bildersturm der Reformation leisten. Gewissermaßen hat seine Kunst auf unserer Wiese ja auch etwas nüchtern Reformiertes. Sie ist ohne Schnörkel und Heiligenschein. Natürlich fragt man sich, ob das Sperrmüll ist und wegkann oder ob es doch irgendwie Kunst ist. Da scheiden sich dich Gemüter. Aber warum so streng? Mein Gott, Picasso wurde ja auch nicht gleich als genial erkannt und heute würde man sich dumm und dämlich zahlen um seine „Taube mit grünen Erbsen“ überm Esstisch hängen zu haben. Kunst muss doch nicht gefällig sein. Das Unverständnis, das Nase rümpfen – das muss Kunst schaffen – immerhin liegen keine 5 Kilo Butter auf der Wiese. Ich bin also gespannt auf den Austausch mit Peter Weismann. 

November 2016 | Henning Scherf | Das Christentum – die Verzauberung der Welt?

Im November wird nun Henning Scherf zu Gast sein, worauf ich mich sehr freue. Ich begegnete ihm zufällig auf der Breminale, da saß er neben einigen Kindern auf einem sommerlichen Liegestuhl. Er erzählte, dass er gerade das Buch von Jörg Lauster lese, „Die Verzauberung der Welt: Eine Kulturgeschichte des Christentums“. „Das Buch von dem Lauster, das lässt mich nicht mehr los.“ sagte er „Ich habe mich regelrecht festgebissen. Aber doch neige ich dazu, diese Verzauberung in Frage zu stellen.“ So wird also Henning Scherf der Frage nachgehen, ob das Christentum die Welt verzaubert oder doch eher entzaubert hat. Ich bin sehr gespannt.

Juni 2016 | Pastorin Isabel Klaus | Glaubensmärchen

Glaubensmärchen? Oh. Äh. Nun. Ja. Also. Wie kommen Sie bloß auf dieses Wort? Also dieses Wort – „Glaubensmärchen“ – nee – das geht nicht, das ist dann doch zu märchenhaft. Es wäre besser gewesen, ich hätte Legende oder Mythos gesagt. Ja – schon, aber Legende und Mythos sind heute doch eher Wörter, die man spontan mit Harry Potter oder Star Wars in Verbindung bringt. Die Legende vom bösen Zauberer, dessen Name nicht genannt werden darf, oder der Sternenmythos, bei dem Millionen Fan-Augen so hell wie Laserschwerter leuchten. Legende oder Mythos – das ist die Frage. Ein Blick ins Literaturlexikon verrät: Eine Legende verarbeitet märchenhafte Stoffe. Ein Mythos ist eine sagenhafte Geschichte, eine Mär. Bloß gut, dass die Bibel nicht aus einem Guss ist: Da gibt es Briefe, große narrative Geschichtsbögen, Psalmen, Lieder Wo sich so viele Gattungen tummeln, da ist auch Platz für das Glaubensmärchen. Und da ist auch Platz im Religionsphilosophischen Salon am 10. Juni. Im Zuge der vielen Mails bekam ich Unterstützung von einer unerwarteten Seite, die mich sehr freute. Es war eine Mail von Lothar Baumann, dem Sohn von Pastor Baumann: Sehr geehrte Frau Klaus, vor einigen Tagen habe ich die Artikel des Weserkuriers gesehen und habe mich gefreut, als ich Ihr Interview gelesen habe. Ich freue mich, dass Sie in der Remberti-Gemeinde an Ihrer Auffassung festhalten! Ich hoffe für Sie, dass Sie von vielen Personen Unterstützung erhalten. Lassen Sie mich abschließend noch hinzufügen, dass mein Vater lange Zeit als Pastor an Remberti tätig gewesen ist und er ebenfalls die Zeitungsartikel zur Kenntnis genommen hat und selbstverständlich Ihre Position unterstützt. Mit freundlichen Grüßen aus dem Gebiet einer unfreien Landeskirche Lothar Baumann

April 2016 | Pastor Horst Janus | Gottes Poesie

Sprache stiftet Beziehung zwischen Gott und den Menschen wie auch zwischen den Menschen. Sie formt unser Denken von früher Kindheit an. Ohne sie können wir nicht glauben. Sprachbilder bestimmen alle unsere Vorstellungen. Besonders erfahrbar werden sie in Texten der Bibel und in der Poesie, in denen wir über das Alltägliche hinausgelangen. Pastor Horst Janus machte uns das sehr anregend deutlich. Z. B. an Johannes 1,1( Im Anfang war das Wort… ) ; Gen 1,3 (und Gott sprach: Es werde  Licht!), Paulus u. a. Und an Gedichten, z.B  von Gottfried Benn:” Kommt reden wir zusammen, wer redet ist nicht tot…”, oder “Ein Wort, ein Satz -: aus Chiffren steigen erkanntes Leben, jäher Sinn…” Der Pfarrerssohn Gottfried Benn hatte ein gutes Empfinden für Worte, die die menschliche Situation deutlich machen und überaschreiten. Ähnliches findet sich bei Hölderlin, Rilke und dem holländischen Theologen Huub Oosterhuis. Aber auch bei einem so munteren Sprachkünstler wie Robert Gernhardt in “Trost im Gedicht” mit den Anfangszeilen: “Denk dir ein Trüffelschwein, denk’s wieder weg… Was je ein Mensch gedacht läßt eine Spur”. aGott können wir nur in Sprachbildern für uns erfassbar machen und ebenso Gemeinschaft mit anderen. Im Nachdenken über Sprache und Poesie können wir mehr erfahren. Uns wurde klar, die Sprache ist nicht nur die Quelle aller Missverständnisse, wie Saint-Exupery gesagt hat, sondern auch eine Chance zum gegenseitigen Verständnis im Sprechen und Hören. Horst Janus gab uns viel zum Nachdenken über die Möglichkeit über uns hinaus zu sehen, Sinn und Glauben zu erleben. Im Anschluss befolgten wir den Rat Gottfried Benns: “Kommt, reden wir zusammen”, und hatten einen lebhaften Gedankenaustausch.

April 2015 | Prof. Gerd Lüdemann | Bibel der Häretiker – Undogmatische Schriften im frühen Christentum

Im ersten religionsphilosophischen Salon 2015 wird am 24. April Professor Gerd Lüdemann bei uns in Remberti zu Gast sein. Gerd Lüdemann ist ein kritischer Geist mit Rückgrat und hat für große Aufregung in Kirchen und Universitäten gesorgt. Er zog aus seinen Forschungsergebnissen Konsequenzen und löste sich vom christlichen Offenbarungsglauben und so mancher theologischen und kirchlichen Lehrmeinung. Für großen Wirbel sorgten seine Bücher „Der große Betrug“, „Ketzer“ oder „Im Würgegriff der Kirche“. Dies hatte zur Folge, dass ihm seine Professur für Neues Testament an der Universität Göttingen, die er von 1983 bis 1999 innehatte, entzogen wurde. Trotz eines jahrelangen Rechtsstreites durfte er als Theologe nicht mehr unterrichten, sondern lehrte bis zu seinem Ruhestand 2011 „Geschichte und Literatur des frühen Christentums“. Derzeit forscht er an der Vanderbilt Divinity School in Nashville.

Im Salon wird er über die Bibel der Häretiker sprechen, so bezeichnet Gerd Lüdemann die bei Nag-Hammadi gefundenen Schriften. Diese Schriften stammen aus einer Periode, in der es noch keinen Kanon des Neuen Testaments gab. Zu den jüngsten Dokumenten des damaligen Neuen Testaments gehören der Zweite Petrusbrief und das Johannesevangelium in seiner Endgestalt. Zahlreiche griechische Originale der Nag-Hammadi-Texte entstanden zeitgleich mit ihnen, also in der ersten Hälfte des zweiten Jahrhunderts. Diese Schriften werfen ein neues Licht auf die Rechtgläubigkeit und Ketzerei im frühen Christentum. Geschrieben wurden sie von Menschen, die mit der frühchristlichen Tradition brachen, aber trotzdem religiös waren und so ihre eigenen Texte verfassten. Daher brandmarkte man die meisten Verfasser der Nag-Hammadi-Schriften als Ketzer und schloss sie aus dem kirchlichen Leben aus. In den gnostischen Nag-Hammadi-Schriften dürfen sie endlich selbst reden und geben einen unverstellten Blick in ihre Mythologie Frömmigkeit.

November 2014 | Miriam Mundhenke | Wo die Ideen wohnen

Miriam Mundhenke, Kreativitätsagentin, sprach darüber, wie Ideen entstehen. Mittels eines Streifzuges durch die Philosophiegeschichte nahm sie die Fährte auf und suchte nach ihnen. Nach Platons Ansatz sind Ideen unwandelbare, nur geistig erfassbare Urbilder, die den sinnlich wahrnehmbaren Phänomenen zugrunde liegen. Noch heute ist Platons Ideenlehre nicht wegzudenken aus dem Urstoff der Philosophie. Was daraus wurde, zeigte Miriam Mundhenke auf.

Oktober 2014 | Alvaro Solar | Eine heitere Sinnsuche bei Lügen und Wein

Alvaro Solar, Schauspieler und Regisseur, machte den Salon zu einem besonderen Event. Die heitere Sinnsuche bei Lügen und Wein entfaltete sich in den bekannten Liedern Alvaro Solars. Freche Fragen standen im Raum: Ist Gott schlampig? Dürfen Lügen dick sein? Trinkt der Teufel Bier oder Wein? Wir gewannen Einblicke in die Themen, die hinter den Texten liegen. So wurde darüber gesprochen, wie man sich einer Welt verhält, die derzeit viel von Ungerechtigkeiten, Massakern, Terroranschlägen, Epidemien und Flüchtlingen erzählt.

September 2014 | Prof. Dieter Richter | Das Meer

Der Literaturwissenschaftler Prof. Dieter Richter, sprach über seine kulturgeschichtlichen Forschungen zum Meer und führte uns in die Weite einer nahezu unendlichen Geschichte. In seiner kulturgeschichtlichen Arbeit hat Dieter Richter eine Methode entwickelt, die er kulturhistorische Topografik nennt. Sie erschließt die Thematik mithilfe von Literatur, Musik, Bildender Kunst, Philosophie, Theologie, Archäologie, neuerer Geschichte und Naturwissenschaft. „In allen Mythologien war das Meer ein bedrohliches Urgewässer, so auch in der Schöpfungsgeschichte der Bibel“ beschreibt Richter die symbolische Bedeutung. Unter anderem konnte er uns an diesem Abend einen Aspekt näherbringen, der doch überraschte: Das Meer war nicht immer blau, sondern undefiniert dunkel.

Juli 2014 | Renke Brahms | Das nahe Ende? | Gedanken über die Zukunft der Kirche

Renke Brahms, Schriftführer der Bremischen Evangelischen Kirche und Friedensbeauftragter der Evangelischen Kirche in Deutschland, stellte sich der Frage nach der Zukunft der Bremischen Evangelischen Kirche. Er suchte Wege und Antworten, um die Austritte aus der Kirche zu verstehen. Wie geht es weiter, wenn immer mehr Menschen eine Mitgliedschaft in der Kirche für überflüssig halten? Wie geht Kirche damit um und welche Konsequenzen hat das auch für die finanzielle Seite der Kirche? Welche Wege kann Kirche in der heutigen Gesellschaft gehen? Mit Vorsicht behandelte er dieses ernste Thema und zeigte nicht nur die Missstände auf, sondern auch die Chancen, die Kirche in unserem Jahrhundert hat.

Juni 2014 | Pastorin Isabel Klaus | Gott wird rund | Religion im Fußball

Ich sprach über das Religiöse und Philosophische im Fußball – ein weltmeisterliches und religionsübergreifendes Thema. Religiöse Bezüge sind in der wunderbaren Welt des Fußballs leicht zu finden. Ich suchte nach dem Grund, weshalb sich Fußball so religiös auflädt. Der Mensch und die Religion sind das Thema, das hinter dem Fußballgott liegt, weil der Mensch ein unheilbar religiöses Wesen ist. Ich zeigte an verschiedenen Phänomenen des Fußballs, dass es diesen religiösen Überbau braucht, um im Diesseits zu leben, das Abseits zu ertragen und auf das Jenseits zu hoffen. Wenn Kirchen diese Leere nicht mehr füllen, findet man auch anderswo das heilige Gefühl der Ehrfurcht vor dem Höheren und die Möglichkeit zur Anbetung.

Mai 2014 | Dr. Frank Laukötter | Museen und andere sakrale Orte

Dr. Frank Laukötter, Direktor der Kunstsammlungen Böttcherstraße, sprach über das Sakrale bestimmter Orte. Das Heilige äußert sich meist durch das Gefühl des Überwältigtseins. Es ist ein Gefühl, dass sich nicht sofort fassen lässt. In Kirchen, Moscheen und Synagogen ist das recht einfach nachzuvollziehen. Ein Raum, in dem seit Jahrhunderten Gottesdienste gefeiert werden, wird zum Abbild dessen, was über lange Zeit in ihm geschieht. In diesen Räumen ist die Patina der Seufzer, Gebete, Zweifel, Hoffnungen spürbar. Frank Laukötter veranschaulichte das Heilige in den Kunstwerken ausgewählter Künstler und machte deutlich, dass es nicht nur jene Patina ist, sondern gerade das Spiel des Lichtes, das einem Ort etwas Sakrales verleihen kann.

November 2013 | David Safier | Warum wir Geschichten erzählen

Mit dem Schriftsteller und Drehbuchautor David Safier sind wir der Frage nachgegangen, warum wir uns Geschichten erzählen. Für David Safier sind Geschichten existenziell. Aus ihnen kann man im Einzelfall für das eigene Leben lernen. Er verglich diesen Lernprozess mit einem Piloten, der, bevor er das erste Mal in ein Cockpit steigt und die Verantwortung für das Flugzeug übernimmt, zuerst in einem Simulator für den Ernstfall trainiert. „Geschichten sind der Flugsimulator des sozialen Lebens.“ Wir erzählen Geschichten, um zu deuten, was um uns herum geschieht. Geschichtenerzähler schürfen nach Sinn und das ist, theologisch betrachtet, ein hoch religiöser Prozess. Religiös sein heißt ja, leidenschaftlich nach dem Sinn des Lebens zu suchen. Um nichts anderes sind auch Schriftsteller bemüht.

Oktober 2013 | Dr. Roman Rössler | Der eingestürzte Himmel einer geteilten Welt

Dr. Roman Rössler, Redakteur der Predigtstudien, konfrontierte uns mit theologischen Fragen, die nach dem Gehalt und der Bedeutung der biblischen Erzählungen suchen, nachdem offenliegt, dass viele Erzählungen keinen historischen, sondern einen poetischen Hintergrund haben. Sein Vortrag kreiste um die Fragen, wie wir zentrale Elemente der biblischen Überlieferung heute so verstehen können, dass sie nicht im Widerspruch zu unserem heutigen Verständnis der Wirklichkeit stehen. Welche Notizen wir im 21. Jahrhundert machen müssen, nachdem der metaphysische Himmel eingestürzt ist. Wo sich der Glaube heute unter kritisch Fragenden und Zweifelnden positioniert. Mit welchen Augen sich die Bibel in einer geteilten Welt lesen lässt, wo Vernunft und Glaube einander nicht nur ergänzen.

September 2013 | Dr. Herbert Schröer | Dem Leben so fern

Dr. Herbert Schröer, Pastor i.R., konfrontierte uns mit seinem Nachdenken über einen aufgeklärten Glauben, der sich an Lebenserfahrungen orientiert. Er entfaltete ein Gottesbild, das sich in zentralen Lebenserfahrungen finden lässt. Von da aus entwarf Herbert Schröer einen neuen anthropologischen Ansatz, der nicht mehr bei Adam und Eva ansetzt, sondern bei dem Geschehen der Geburt. Er fügte der theologischen Anthropologie säkularwissenschaftliche Aspekte aus der Psychologie, Hirnforschung, Gerontologie zu und konnte auf diese Weise einen sehr spannenden Bogen schlagen. Es war ein neuer Weg, das Menschsein in unserer Zeit zu denken.

Juni 2013 | Pastorin Isabel Klaus | Oh Gott! | Persönlicher Gott, himmlisches Nichts oder irgendwas dazwischen?

Ich stellte mich der Frage, wie viel Gott möglich ist. Die Vorstellungen, die sich mit Gott verbinden, sind vielfältig. Kinder haben ein klares Bild vor Augen. Jugendliche holen Gott aus Prinzip von seiner allmächtigen Wolke, Erwachsene erklären Gott auch gerne zu einem abstrakten Grundprinzip des Guten. In der Kunst fühlt man sich auch mal himmlisch obdachlos. Ich stellte dabei fest, dass der Glaube an einen persönlichen Gott nicht das vordergründige Problem ist. Die Schwierigkeiten haben ihre Ursprünge im hochtheologischen Dogmenwissen, das Gott festmörtelt in vermeintliche theologische Wahrheiten, die heute kaum noch in Einklang mit dem Wissen unserer aufgeklärten Welt gebracht werden können.

Mai 2013 | Dr. Arie Hartog | Denkinseln | Beginn philosophischen Denkens

Dr. Arie Hartog, Direktor des Gerhard-Marcks-Hauses Bremen, sprach über die Ausstellung „Denkinseln“ der Bildhauerin Eveline van Duyl. Philosophisch trieb man mit Arie Hartog auf dem Ozean der Gedanken, hineingeworfen in ein Meer, auf dessen Grund Denkinseln erwachsen waren. Auf diesen Inseln thronten 24 Philosophenporträts auf Bügelbrettern montiert. Unter statischen Gesichtspunktenwar das nicht die stabilste Art zu denken. Die Denkinseln wirkten wie Kartenhäuser: feinsinnig, fragil, einsturzgefährdet. Trotz statischer Bedenklichkeiten gingen wir der Frage nach, was der Anfang philosophischen Denkens ist und wo die Denkinseln unserer Lebenswelt liegen.

April 2013 | Prof. Wilhelm Gräb | Die liberale Theologie des modernen Lebens

Wilhelm Gräb, Professor für Praktische Theologie an der Humboldt-Universität zu Berlin, sprach über die liberale Theologie des modernen Lebens als Glaubensform, in der jeder selbst entscheidet, wie er seinen Glauben ausdrückt. Wilhelm Gräb führte aus, was es heißt, an Gott zu glauben. Gott sollte man sich nicht als Kreatur vorstellen. “Als Gegenstand in der Welt müsste er dann zum Gegenstand unseres Wissens werden”, betonte er. Eine wissenschaftliche Auffassung werde der Gottesvorstellung gerecht. Zum Abschluss wendete er sich der modernen Popmusik zu und wie diese religiöse Gefühle wecken kann. Am Beispiel der “Toten Hosen”erläuterte er, wie Lieder den Eindruck von “Weltverlorenheit” und Abwesenheit Gottes vermitteln. Er deutete die Songs so, dass das Göttliche den Menschen keine Antworten auf die großen Fragen der Existenz und des Glaubens gibt. Die fehlendenreligiösen Antworten wecken nach Wilhelm Gräb jedoch das Bedürfnis nach Gott.