Fülle für alle | Drei Kurzpredigten zur “Hochzeit in Kana”

von | 26. Januar 2024

Jahresempfang | St. Remberti | 14.01.2024

Die Geschichte vom “Weinwunder zu Kana” (Johannes 2,1-11)

Und am dritten Tage war eine Hochzeit zu Kana in Galiläa, und die Mutter Jesu war da. Jesus aber und seine Jünger waren auch zur Hochzeit geladen.

Und als der Wein ausging, spricht die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben keinen Wein mehr. Jesus spricht zu ihr: Was habe ich mit dir zu schaffen, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen. Seine Mutter spricht zu den Dienern: Was er euch sagt, das tut.

Es standen aber dort sechs steinerne Wasserkrüge für die Reinigung nach jüdischer Sitte, und in jeden gingen zwei oder drei Maß. Jesus spricht zu ihnen: Füllt die Wasserkrüge mit Wasser! Und sie füllten sie bis obenan.

Und er spricht zu ihnen: Schöpft nun und bringt’s dem Speisemeister! Und sie brachten’s ihm. Als aber der Speisemeister den Wein kostete, der Wasser gewesen war, und nicht wusste, woher er kam – die Diener aber wussten’s, die das Wasser geschöpft hatten –, ruft der Speisemeister den Bräutigam und spricht zu ihm: Jedermann gibt zuerst den guten Wein und, wenn sie trunken sind, den geringeren; du aber hast den guten Wein bis jetzt zurückgehalten.

Das ist das erste Zeichen, das Jesus tat. Es geschah zu Kana in Galiläa, und er offenbarte seine Herrlichkeit. Und seine Jünger glaubten an ihn.

Predigt 1: Esther Joas

Sechshundert Liter Wein sollen es gewesen sein – so viel nämlich passt in sechs antike steinerne Wasserkrüge dieser Art. Sechshundert Liter bester Wein, das ist schon eine Ansage. So viel werden wir später beim Jahresempfang nicht ausschenken können. Und das alles, damit das Fest weitergehen kann, damit die Hochzeit fröhlich bleibt. So eine antike Hochzeit konnte schon mal eine Woche lang gehen und das gesamte Dorf war eingeladen – da geht also schon einiges weg. Auf keinen Fall darf da der Wein ausgehen: eine Peinlichkeit für den Bräutigam.

Für Asketen, für Menschen also, die Verzicht üben, ist die Erzählung von der Hochzeit in Kana bestimmt ein Anstoß.

Warum berichtet der Verfasser des Johannesevangeliums nicht als erstes von einem rettenden Wunder wie die anderen Evangelisten, von der Heilung eines Gelähmten oder der Rettung im Sturm? Warum von einer Party, die nicht aufhören soll?

Ich verrate es Euch: Es ist ein Zeichen. Es deutet auf etwas hin, das die damaligen Leser des Evangeliums entschlüsseln konnten, weil sie die alten Geschichten kannten:

„Ihr werdet den Himmel offen sehen“, kündigte Jesus seinen Jüngern kurz vor dieser Hochzeit an. Das heißt sinngemäß: Ihr werdet Gottes Größe und weltverändernde Kraft zu sehen bekommen – durch mich.

Ihr werdet die Fülle sehen, die Gottes Reich für euch vorsieht. Es gibt reichlich und niemand hat Mangel. „Von seiner Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade“ (Joh 1,16), so führt der Evangelist den Gottessohn im ersten Kapitel ein.

Und es ist nicht Wasser, das ihr trinkt, nein, es ist der beste Wein. Manche, die das hörten, erinnerte diese Wundererzählung bestimmt auch an den Mythos des griechischen Weingotts Dionysos, aber viel stärker waren die Bilder ihrer eigenen Tradition.

Die damaligen Leser dachten an ihre Heilige Schrift, an die Geschichten, die man sich daraus erzählte, um Hoffnung und Zuversicht zu finden. Sie dachten beim Hören dieser Geschichte an den Propheten Sacharia, der den Messias Jahrhunderte zuvor mit folgenden Worten angekündigt hatte: „Es wird eine Saat des Friedens sein: Der Weinstock soll seine Frucht geben und das Land sein Gewächs, und der Himmel soll seinen Tau geben.“ (Sach 8,12) Und vom Propheten Amos war überliefert: „Und die Berge werden von Most triefen.“ (Am 9,13)

Bilder der Heilszeit, Bilder des ewigen Friedens, Bilder vom Reich Gottes.

Bei Hochzeit dachten die antiken Leserinnen und Leser an die Braut Israel und Gott, der sie heiraten und für immer für sie da sein würde. Die Glaubenden hofften auf diesen Gott, der immer für sie da ist, sie schützt und liebt, wie man das wohl bestenfalls von einem Bräutigam erhofft.

Auch die anderen Verfasser der Jesusgeschichten verglichen sein Kommen mit einer Hochzeit und den Messias mit einem Bräutigam. Der Verfasser des Markusevangeliums schreibt zum Beispiel mit Blick auf den Messias: “Wie können die Hochzeitsgäste fasten, während der Bräutigam bei ihnen ist? (Markus 2,19)

In unserer Geschichte ist Jesus ja gar nicht der Bräutigam. Aber das macht nichts. Die Leserinnen und Leser verstehen auch so, was gemeint ist: Jesus ist der Bringer der Festfreude und der messianischen Erlösung. „Am dritten Tag war eine Hochzeit in Kana“, so beginnt die Geschichte. Und wir hören das und wissen: Ja, und am dritten Tag ist er auferstanden und Fülle und Gnade waren sein Zeichen.

Ich denke darüber nach, was heute ein Zeichen sein könnte, das uns vor Freude taumeln lässt wie die Gäste an einer Hochzeit.

Ich sehe da russische Soldaten vor mir, die die weiße Flagge hissen und Ukrainer, die keine Vergeltung üben, sondern in Tränen der Erleichterung ausbrechen.

Ich sehe Palästinenserinnen und Palästinenser, die in Freiheit leben, deren Kinder Schulen besuchen und Universitäten, ich sehe ein Land Israel, das mitten im arabischen Raum existieren darf und anerkannt wird. Ich sehe Mauern, die fallen, weil wir sie nicht mehr brauchen.

Und ich sehe uns, die Menschen der sogenannten entwickelten Welt, die Einsicht zeigen und die Erde für ihre Kinder und Enkel heil hinterlassen wollen.

Ich will in Freude taumeln, ich will von dieser Fülle schmecken und ich will, dass alle, wirklich alle, daran teilhaben können. Amen.

Predigt 2: Uli Bandt

Mütter!

Können so was von anstrengend sein! Sie begreifen es einfach nicht, dass ein Mann mit Ende zwanzig, der in seinem Freundeskreis schon eine gestandene und bewunderte Autorität ist, nicht von seiner Mutter vor versammeltem Publikum Anweisungen oder Ermahnungen erhalten will.

Oder treibt sie der Mutterstolz, der Hochzeitsgesellschaft ein Beispiel seiner außergewöhnlichen Fähigkeiten zu geben? „He! Zeig doch mal, was du alles drauf hast! Der Wein ist alle! Du kannst das doch!“ – Das nervt!

„Ich bin kein kleiner Junge mehr, dessen Lebenssinn es ist, seine Mutter für all die aufgewendete Erziehungsmühe, Liebe und Geduld mit außergewöhnlichen Leistungen zu entschädigen! Schlimm genug, gemeinsam mit der Mutter auf dieselbe Party eingeladen zu sein!“

Söhne! – Der Sohn!

Können so was von undankbar und verletzend sein!

Von Engeln war er ihr angekündigt, von weit gereisten Magiern verherrlicht! Und dann? Als Kind wirklich hochbegabt, aber manchmal ein asoziales, aggressives und leicht kränkbares Ekelpaket.

Ja, die Evangelisten in der Bibel schreiben nichts darüber. Aber das apokryphe Kindheitsevangelium des Thomas aus dem 2. Jahrhundert berichtet davon. Da erweckt er Tonvögel zum Leben und kann auch heilen, wenn er will. Aber wenn der Zorn mit ihm durchgeht, dann tötet er einfach mal so seine Spielkameraden oder lässt die Dorfbewohner erblinden. Und seinen greisen, weisen Lehrer Zachäus macht er zum Gespött der Leute…

Sehr wenig weist da auf den später so selbstlos liebenden Mann hin, der nicht von Stolz getrieben auf sein eigenes Recht pochen muss.

Irgendein Aphorismus sagt sinngemäß: „Man wird erwachsen, wenn man sich in der Kälte die Handschuhe anzieht, obwohl die Mutter einen soeben sorgenvoll daran erinnert hat…“

An dieser Schwelle erleben wir Maria und Jesus in Kana. Ende zwanzig ist er. Und immer noch sind die beiden so verhakelt. Hört das denn nie auf?

Mütter und Söhne! Die Mutter und der Sohn!

Ich bin davon überzeugt, dass Jesus nicht hätte so lieben können, wie es die Evangelien beschreiben, wenn er nicht ein gelebtes Vorbild in der Liebe seiner Mutter gehabt hätte. Eine Liebe, die auch aushält, dass er über lange Jahre vielleicht ein eingebildeter Kotzbrocken gewesen sein mag. Die sich nicht gekränkt einigelt, weil er sie zurück- oder zurechtweist.

Die Liebe einer Frau, die auch als Gast einer Hochzeit sich verantwortlich fühlt für das Gelingen des Festes und ohne lange über die Folgen nachzudenken sich einsetzt, wenn sie das Gefühl hat, sie habe die Möglichkeit, die Not zu wenden.

Diese konstante, opferbereite, nüchterne, handfeste Liebe ist die Basis für das Wirken jenes Mannes, von dem wir sagen, in ihm spiegele sich die Liebe Gottes.

Mütter und Kinder!

In den Nachrichten aus den Krisengebieten der Welt sehe ich sie – überwiegend allein. Mit ein paar Alten vielleicht. In der Regel in einer bedürftigen Opferrolle.

Oder ich sehe Bilder nur von Männern, ohne Frauen und Kinder. Schreiend auf Demonstrationen, Waffen in die Luft gereckt, im Kreis auf dem Boden hockend und über das Schicksal des Dorfes beratend. Oder auch die Arme ausgestreckt, um einen kleinen Brosamen von den Hilfslieferungen zu ergattern.

Die Männer sind die Gestalter der Welt. So denken sie. So beanspruchen sie es. So versauen sie es…

Ich würde nun gerne sagen, dass die eigentliche Gestaltung dieser Welt bei den Frauen liegt. Bei der selbstlosen Liebe der Mütter, an der sich die Söhne irgendwann einmal erinnern und orientieren können.

Doch all diese Kriegsherren, Hasser und Hetzer dieser Welt – sie alle haben doch auch einmal eine Mutter gehabt. Wo liegt der Denkfehler? …

Väter!

Väter?

Predigt 3: Und die Zuversicht lächelt | Isabel Klaus

Liebe Gemeinde, Hätten wir all das Wasser, dass in die Kellerräume des Gemeindehauses fließt in Wein verwandeln können, dann hätten wir jetzt einen gut gefüllten Weinkeller und für sehr lange Zeit ausgesorgt. Wasser zu Wein! …

Ich schicke euch gern die ganze kleine Predigt zu. Gern kurze Mail an: isabel.klaus@gmx.de

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