Osternacht 2023

von | 12. April 2023

Die Kirche ist dunkel.

Lesungen zur Schöpfung

Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Und die Erde war wüst und leer, und Finsternis lag auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte über dem Wasser. Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht. Und Gott sah, dass das Licht gut war. Da schied Gott das Licht von der Finsternis und nannte das Licht Tag und die Finsternis Nacht. Da ward aus Abend und Morgen der erste Tag. (Gen 1, 1-3)

Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau. Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Gebt der Welt von euren Früchten und sorgt euch um sie. Ich schenke euch alles, was ihr dazu braucht. (Freie Übertragung)  

Und Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut. (Gen 1,31)

Kanon: Jacques Berthier | Veni creator spiritus

Lesungen zur Wegnahme der Schöpfung und ihrer Erneuerung 

Aber die Erde war verderbt vor Gott und voller Frevel. Da sah Gott auf die Erde, und siehe, sie war verderbt; denn alles Fleisch hatte seinen Weg verderbt auf Erden. (Gen 6,11f.)

Da sprach Gott zu Noah: Siehe, ich will eine Sintflut kommen lassen auf Erden, zu verderben alles Fleisch, darin Odem des Lebens ist, unter dem Himmel. (Gen 6, 17) Und als die sieben Tage vergangen waren, kamen die Wasser der Sintflut auf Erden. (Gen 7,10)

Da gedachte Gott an Noah und an alles wilde Getier und an alles Vieh, das mit ihm in der Arche war; und Gott ließ Wind auf Erden kommen, und die Wasser fielen. (Gen 8, 1) Im sechshundertundersten Jahr Noahs am ersten Tage des ersten Monats waren die Wasser vertrocknet auf Erden. (Gen 8,13)

Und Gott sprach in seinem Herzen: Ich will hinfort nicht mehr schlagen alles, was da lebt, wie ich getan habe. Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht. (Gen 8,21b.22) Und Gott segnete Noah und seine Nachkommen und sprach: Gebt der Welt von euren Früchten und sorgt euch um sie. Ich schenke euch alles, was ihr dazu braucht. (Freie Übertragung)

Das ist das Zeichen des Bundes, den ich geschlossen habe zwischen mir und euch und allem lebendigen Getier bei euch auf ewig: Meinen Bogen habe ich gesetzt in die Wolken; der soll das Zeichen sein des Bundes zwischen mir und der Erde. (Gen 9, 12f.)

Kanon: Jacques Berthier | Veni creator spiritus

Lesungen zum Heilsversprechen Gottes

Ich habe dich einen kleinen Augenblick verlassen, aber mit großer Barmherzigkeit will ich dich sammeln. Ich habe mein Angesicht im Augenblick des Zorns ein wenig vor dir verborgen, aber mit ewiger Gnade will ich mich deiner erbarmen, spricht der HERR, dein Erlöser. Ich halte es wie zur Zeit Noahs, als ich schwor, dass die Wasser Noahs nicht mehr über die Erde gehen sollten. So habe ich geschworen, dass ich nicht mehr über dich zürnen und dich nicht mehr schelten will. Denn es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen, und der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen, spricht der HERR, dein Erbarmer. (Jes 54,7-10)

Und ich will euch ein neues Herz und einen neuen Geist in euch geben und will das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben. Ich will meinen Geist in euch geben und will solche Leute aus euch machen, die in meinen Geboten wandeln und meine Rechte halten und danach tun. (Hes 63,26f.)

Kommt, lasst uns hinauf zum Berge des HERRN gehen und zum Hause des Gottes Jakobs, dass er uns lehre seine Wege und wir in seinen Pfaden wandeln! Denn von Zion wird Weisung ausgehen und des HERRN Wort von Jerusalem. Er wird unter vielen Völkern richten und mächtige Nationen zurechtweisen in fernen Landen. Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen machen und ihre Spieße zu Sicheln. Es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen. Ein jeder wird unter seinem Weinstock und Feigenbaum wohnen, und niemand wird sie schrecken. Denn der Mund des HERRN Zebaoth hat’s geredet. (Micha 4,2-4)

Kanon: Jacques Berthier | Veni creator spiritus

Worte aus Psalm 118

Gott ist meine Kraft und mein Psalm.

Ich werde nicht sterben, sondern leben und des Herrn Werke verkünden.

Tut mir auf die Tore der Gerechtigkeit, dass ich durch sie einziehe und dem Herrn danke.

Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein geworden.

Das ist vom Herrn geschehen und ist ein Wunder vor unseren Augen.

Gebet

Komm, Schöpfer, Geist, der Leben schafft, bringe dein Licht und befreie uns aus dem Dunkel der Nacht. Du kennst die Finsternis, du weißt von Kälte und Einsamkeit, von Leiden und Sterben. Das Kreuz des Menschensohnes, du hast mitgelitten, du fühlst mit in unserer Schwäche. Aber in dir ist die Kraft der Auferstehung. Durch dich bleiben wir nicht in der Finsternis, sondern werden das Licht des Lebens haben. Komm, Schöpfer, Geist, der Leben schafft, bringe dein Licht und befreie uns aus dem Dunkel der Nacht. Amen.

Chor: Jacques Berthier | Per crucem

Bibelwort zum Licht

Jesus Christus spricht: Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben. (Joh 8,12) So soll das Osterlicht das Dunkle erleuchten und in unsere Welt kommen.

Einzug mit der Osterkerze und liturgischem Gesang 

Osterevangelium: Lukas 24, 1-12

Es folgten aber die Frauen nach, die mit ihm gekommen waren aus Galiläa, und sahen das Grab und wie sein Leib hineingelegt wurde. Sie kehrten aber um und bereiteten wohlriechende Öle und Salben. Und den Sabbat über ruhten sie nach dem Gesetz. (Lukas 23, 55f.)

Aber am ersten Tag der Woche sehr früh kamen sie zum Grab und trugen bei sich die wohlriechenden Öle, die sie bereitet hatten. Sie fanden aber den Stein weggewälzt von dem Grab und gingen hinein und fanden den Leib des Herrn Jesus nicht. Und als sie darüber ratlos waren, siehe, da traten zu ihnen zwei Männer in glänzenden Kleidern. Sie aber erschraken und neigten ihr Angesicht zur Erde. Da sprachen die zu ihnen: Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden. Gedenkt daran, wie er euch gesagt hat, als er noch in Galiläa war und sprach: Der Menschensohn muss überantwortet werden in die Hände der Sünder und gekreuzigt werden und am dritten Tage auferstehen. Und sie gedachten an seine Worte. Und sie gingen wieder weg vom Grab und verkündigten das alles den Elf und allen andern Jüngern. Es waren aber Maria Magdalena und Johanna und Maria, des Jakobus Mutter, und die andern Frauen mit ihnen; die sagten das den Aposteln. Und es erschienen ihnen diese Worte, als wär’s Geschwätz, und sie glaubten ihnen nicht. Petrus aber stand auf und lief zum Grab und bückte sich hinein und sah nur die Leinentücher und ging davon und wunderte sich über das, was geschehen war.

Entzünden der Gemeindekerzen an der Osterkerze

Lied: Christ ist erstanden (EG 99)

Predigt

Liebe Gemeinde, es ist licht geworden. Frohe Ostern!

Licht ist eine große kosmische Kraft und wohl für alle Religionen der Welt ein Symbol für das Leben.

Wir feiern in der Osternacht den Übergang von der Dunkelheit ins Licht, von der Nacht zum Tag, vom Tod zur Hoffnung auf neues Leben durch Gottes Liebe. Wir dürfen heute im Gottesdienst sogar zwei junge Menschen taufen, die Ja sagen wollen, zu diesem Licht und der Gemeinschaft, die es verkündet.

Die Lesungen in der Dunkelheit erzählten von der Welt als Schöpfung Gottes, entstanden durch sein Ja-Wort, mit Sinn erfüllt, sehr gut. Sie erzählten auch von Gottes Zorn über den Umgang mit seinem Liebeswerk, von der Wegnahme der Schöpfung und ihrer Erneuerung. Aus den Prophetenbüchern hörten wir dann, wie Gott den Berichten nach Heil bringen will in unsere Welt: „Mit ewiger Gnade will ich mich deiner erbarmen.“ (Jesaja) Ich will euch ein neues Herz und einen neuen Geist geben.“ (Hesekiel) „Es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen.“ (Micha)

Jesus von Nazareth war gekommen, um dieses Heil zu erneuern, um uns zu erinnern an den Willen Gottes. Er heilte Menschen, nahm die Unterdrückten und Ausgeschlossenen in seine Mitte, verurteilte Machtmissbrauch und Ungerechtigkeit. Er war ungetrennt von diesem Heil, verkörperte es durch alles, was er sagte und tat.

Aber das Böse in den Menschen, die Gier nach Macht, die Überlegenheit, das Beharren auf dem, was scheinbar Sicherheit verspricht, siegte (zunächst). Jesus wurde Opfer der mächtigen Elite in seinem Land. Er störte mit seiner Botschaft des Friedens, denn es war kein menschengemachter Friede, den er versprach. Er sprach vom göttlichen Frieden, der so anders, so ungewohnt, so verunsichernd daherkommt. Den Feind lieben? Auch die linke Wange hinhalten? Dem Arbeiter, der nur eine Stunde arbeitet, genausviel geben wie dem, der zehn Stunden gearbeitet hat? Das klingt nicht fair. Und nach unserer Vorstellung von Gerechtigkeit ist es das auch nicht. Wir sind immer nur auf dem Weg zum göttlichen Schalom, in kleinen Schritten.

Als Jesus starb, da schien alles, was er gesagt und vorgelebt hatte, zunichte gemacht worden zu sein. Die Jünger flohen und waren wieder von ihrer Angst beherrscht. Ich kann das nachvollziehen. Ich wäre vermutlich auch geflohen.

Aber dann das Wunder: Frauen aus Galiläa, die Jesus nahe waren, kamen ans Grab und wollten den Leichnam ölen, ihn mit Würde verabschieden. Aber er war nicht da. Engel in Männergestalt erschienen Ihnen, die sagten: „Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden.“ Niemand glaubte ihnen. Das übrigens ist eine von mehreren Stellen, an denen der Evangelist Lukas die gesellschaftliche Unterlegenheit der Frau kritisiert. Petrus musste sich erst selbst vergewissern. Aber dann erschien der Auferstandene anderen und die Botschaft verbreitete sich: „Gott hat Jesus auferweckt. Sucht den Lebenden nicht bei den Toten!“

Wie auch immer wir uns dieses Wunder vorstellen mögen, entscheidend ist, was es bewirkt hat. Alle, die Jesus erlebt hatten, die seine Worte gehört hatten, richteten sich wieder auf, fanden neue Hoffnung und trugen sie in die Welt. „Das Heil Gottes, es wird kommen, wie Jesus gesagt hat. Gott wird uns ein neues Herz und einen neuen Geist geben und niemand wird mehr lernen, Krieg zu führen!“

Wir wissen, dass dieses göttliche Heil ein Sehnsuchtsort ist, dass es noch immer fern ist. Aber immer wieder leuchtet es auf. Es gibt Beispiele aus unserem Alltag, aus Erfahrungen der Gegenwart. Aber ich will ein älteres Beispiel wählen. Darauf hat mich unser heutiger Täufling A. gebracht:

Es ist der Prediger und Bürgerrechtler Martin Luther King Jr., der sich in den 50er und 60er Jahren in USA für den gewaltfreien Kampf gegen Unterdrückung und soziale Ungerechtigkeit einsetzte und dann eines gewaltsamen Todes starb. Im Dezember war ich bei dem zu seinem Gedenken errichteten Memorial in Washington D.C.: Am Eingang stehen zwei hohe Felsen aus Granit, dem Mountain of Despair, Berg der Verzweiflung. Durch sie hindurchgehend gelangt man zum Stone of Hope, dem Stein der Hoffnung. Auf der zum Wasser gerichteten Seite ist die Figur von Martin Luther King aus dem Stein gehauen. In der rechten Hand hält er eine Schriftrolle, in der linken einen Stift, Symbole seines gewaltfreien Widerstands. Das Memorial ist umrahmt von einer Mauer mit Zitaten des Predigers. Da steht zum Beispiel:

“Darkness cannot drive out darkness, only light can do that. Hate cannot drive out hate, only love can do that.” (Dunkelheit kann die Dunkelheit nicht austreiben, nur Licht kann das. Hass kann Hass nicht austreiben, nur Liebe kann das.)

Und dann findet man da folgende Worte: “It is not enough to say ‘We must not wage war.’ It is necessary to love peace and sacrifice for it. We must concentrate not merely on the negative expulsion of war, but the positive affirmation of peace.” (Es ist nicht genug, zu sagen: ‚Wir dürfen keine Kriege führen.‘ Wir müssen den Frieden lieben und dafür Opfer bringen. Wir dürfen uns nicht nur auf die negative Verdrängung von Krieg konzentrieren, sondern müssen den Frieden aktiv stärken.

 Und ein paar Schritte weiter steht dort: „I believe that unarmed truth and unconditional love will have the final word in reality.“  (Ich glaube, dass die nackte Wahrheit und die bedingungslose Liebe in dieser Wirklichkeit das letzte Wort haben werden).

Und dazu passt der Taufspruch von A., den ich ausnahmsweise als nichtbiblischen Vers zugelassen habe: “Es gibt keine größere Kraft als die Liebe.“ Der Satz geht übrigens noch weiter: „Sie überwindet den Hass wie das Licht die Finsternis.” 

Martin Luther King hat auch den Bibelvers aus dem zweiten Timotheusbrief über den Geist der Kraft und der Liebe ausgelegt, den L. sich als Taufspruch ausgewählt hat. Und mit dieser Auslegung will ich enden:

“Komme, was mag! Gott ist mächtig! Wenn unsere Tage verdunkelt sind und unsere Nächte finsterer als tausend Mitternächte, so wollen wir stets daran denken, dass es in der Welt eine große segnende Kraft gibt, die Gott heißt. Gott kann Wege aus der Ausweglosigkeit weisen. Er will das dunkle Gestern in ein helles Morgen verwandeln – zuletzt in den leuchtenden Morgen der Ewigkeit.“ Amen.

Lied: Wir glauben Gott im höchsten Thron (EG 184)

Einfüllen des Taufwassers und Worte zum Wasser

Lesung zur Taufe

Lied: Wasser des Lebens

Taufen

Lied: Geh unter der Gnade

Bekanntgaben

Fürbitten mit Zwischengesang

Vaterunser

Lied im Stehen: Er ist erstanden (EG 116)

Segen

Orgelmusik zum Hinausbegleiten

Glockengeläut

Osterfrühstück im Gemeindehaus

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