Erzählende Himmel 

von | 10. Juni 2022

… so war Psalm, Musik & Segen am 9. Juni.

Die Sonne neigte sich langsam zum Horizont und verzauberte die blauen Fenster in Remberti. Von der Orgel tanzten leichte Sommerklänge durch das Kirchenschiff und ich hatte Psalm 19 vor mir liegen: „Die Himmel erzählen die Ehre Gottes“ las ich aus der Lutherübersetzung vor „und die Feste verkündigt seiner Hände Werk.“ 

Es ist ein wunderschöner Psalm, auch wenn ich mich gleich am Anfang an Luthers Sprache stieß. Erzählt der Himmel von der Ehre Gottes? Und was ist die Ehre Gottes? Was ist die Feste und welches Handwerk verkündigt sie? 

Ein Psalm wie für mich gemacht, so wunderschön, dass er aus dem Sprachgebrauch Luthers dringend befreit werden musste. Schon Wochen vorher hatte ich begonnen, den Psalm aus dem Hebräischen zu übersetzen. Als das geschafft war, ging ich mit ihm spazieren. Er war noch so kantig, also ließ ich die Wellen des Alltags über ihm branden. Mit jeder Welle wurde er runder wie ein Kieselstein aus dem Meer. 

„Die Himmel erzählen von der Unendlichkeit Gottes und der Erdensaum raunt seine Schönheit durch Raum und Zeit.“

In den theologischen Kommentaren las ich, dass dieser Psalm zu den Jüngsten gehört. In seiner Endgestalt ist er wohl 2.200 Jahre alt. Er besteht aus zwei ursprünglich eigenständigen Psalmen. 

Der erste Teil umfasst die Verse 2 bis 7 und geht wohl auf einen alten Sonnenpsalm zurück, der sehr sehr alt ist und aus Ägypten stammt. Dieser Sonnenpsalm ist fast 7.000 Jahre alt. Das finde ich unglaublich beeindruckend. 

Der zweite Teil umfasst die Verse 8 bis 15 und ist sehr viel später dazu gekommen. Man nennt diesen gern den Torapsalm, weil er auf die Tora eingeht und ihre Wichtigkeit betont. 

Mit diesem Wissen veränderte sich meine Übersetzung. Und so war ich an dem Donnerstag ganz aufgeregt, als um 18 Uhr die Freunde und Freundinnen der Psalmen in die Kirche kamen. Lea Vosgerau schuf dem neuen Psalm einen wunderschönen Klangraum und so konnten beide Übersetzungen, Luthers und meine, nebeneinander stehen. Am Ende gab es den Segen und wir standen noch lange im Innenhof von Remberti, genossen ein Glas Wein oder auch zwei und unterhielten uns über den Psalm, das Leben, die Welt und den Glauben. 

Solche Abende machen Remberti besonders und ich habe die Nähe untereinander sehr genossen, die neuen Ideen dankbar entgegen genommen und bin beglückt nach Hause gegangen. 

Ich verschicke Psalm 19 gern. Schickt mir eine Mail! 

Psalm, Musik & Segen ist das nächste Mal am Donnerstag, dem 7. Juli um 18 Uhr.

isabel klaus

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