Proviant für die Woche

von | 28. Mai 2020

Zu Pfingsten kommt ja so einiges aus dem Himmel auf uns hernieder. Mich hat folgende Geschichte von Hanns Dieter Hüsch sehr erheitert:

„Als der liebe Gott mich aus dem Himmel wieder nach Dinslaken mit dem Fahrrad zurück gebracht hatte – ich durfte vorne auf der Lenkstange sitzen – nicht wahr. Da sagte er – wir haben etwa anderthalb Stunden gebraucht –, aber auf der Hälfte der Tour – fragte er mich ganz plötzlich: Sag mal, willst du einen Heiligenschein? Also, ich war so verdutzt, dass ich überhaupt keine Antwort raus bekam. Und dann sagte er noch: Ja, ich habe neulich im Himmel ein bisschen aufgeräumt und bei der Gelegenheit auch eine Menge Heiligenscheine ausgemistet. Die zum Teil, ja zum Teil schon verrostet waren oder einfach zu klein oder eingegangen waren. Oder auch völlig verbogen. Mindestens tausend Stück habe ich weggeworfen. Tausend Stück ich allein schon. Ich weiß nicht, wie viele der Petrus noch aussortiert hat. Wir müssen die Dinger wegwerfen, denn so viel Platz haben wir demnächst im Himmel auch nicht mehr. Und da habe ich mir gedacht, ich nehme ein paar zum Anprobieren mit. Hinten auf den Gepäckträger, da habe ich die drauf getan. Es sind so 15 Stück. Du suchst dir einen aus. Du hast ihn dir zwar nicht verdient, aber er wird dir ganz gut stehen. Du brauchst auch gar nichts zu machen. Du musst ihn nur ein einziges Mal über dich halten, da wo du ihn hinhaben willst. Und dann einen Augenblick ganz still stehen bleiben, dann am linken Ohr ziehen, und dann geht er an und leuchtet. Nichts weiter, aber es reicht. Und dann sitzt er und dann kannst du weiter gehen. Und dann wirst du ihn auch nicht mehr los. Und wenn du wieder ausmachen willst, brauchst du nur am rechten Ohr zu ziehen und dann geht er wieder aus, wie bei einem Schalter. Nur dass kein Schalter zu sehen ist. Das ist das ganze Geheimnis. Es ist ein wunderbares Spielzeug. Eigentlich habe ich die Heiligenscheine mehr für die Kinder gedacht, aber wenn ich da oben sitze und schmeiße die Dinger runter, dann fangen die Erwachsenen die Heiligenscheine natürlich auf, ich meine, ist ja logisch. Die sind ja ganz süchtig danach. Ja, sagte ich dann, ich will mich ja nicht aufdrängen. Aber wenn du einen übrig hast, warum nicht. Gut, sagte er. Bevor ich dich zu Hause absetze mit dem Fahrrad, probieren wir einige aus. Und kurz danach landete das Fahrrad auch schon, und der liebe Gott sagte: Bitte die Tische hochklappen und sich so lange festhalten, bis das Fahrrad seine endgültige Position erreicht hat. So, sagte er, als das Fahrrad in einer Nebenstraße gelandet war. Jetzt hole ich mal die Heiligenscheine und du kannst dir einen aussuchen. Und ich musste alle anprobieren, bis… also, er war so was von pingelig, kann ich Ihnen sagen. Wirklich wahr! Also: Bis wir den richtigen gefunden hatten, das dauerte Minuten und der liebe Gott guckte sich alles an und sagte: Den nehmen wir. Den nehmen wir, der hält mindestens zwanzig Jahre und man kann ihn dimmen, sagte er. Man kann ihn dimmen. (Applaus)“

„Der Heilligenschein“ aus der CD: Hanns Dieter Hüsch, Wir sehen uns wieder, CD 2 Track 8 s.o.

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