Wer den Blick auf die heutige Familie richtet, findet eine unübersichtliche Landschaft vor. Was früher einmal klar zu sein schien, Familie = Vater, Mutter und zwei oder mehr Kinder, ist heute bei weitem nicht mehr selbstverständlich. 

  • Eine Partnerschaft heute zu leben ist nicht mehr so einfach. Viele Menschen entscheiden sich, die Erziehungsaufgabe allein zu übernehmen. Immer häufiger teilen sich die Eltern nach einer Trennung die Erziehung. Die Kinder leben abwechselnd einige Tage erst beim Vater, dann bei der Mutter und Wochenenden und Ferien werden zwischen den Elternteilen aufgeteilt. Leben diese mit einem neuen Partner zusammen, entsteht ein recht komplexes Beziehungsgeflecht. Bringen die „Neuen“ eigene Kinder mit, ist die Patchworkfamilie perfekt. 
  • Auch die Frage, wie Kinder zu erziehen sind, ist keine Selbstverständlichkeit mehr. Die Bandbreite der Erziehungsstile ist gewachsen. Die Vielfalt der Ratschläge ist eher verwirrend, und die verbreitete Meinung, dass „Fehler“ in der frühen Kindheit später zu Schwierigkeiten oder Störungen führen können, verunsichert die Eltern. 

Der offene Kindergarten ist eine Antwort auf die veränderten Lebensbedingungen von Familien. Durch die heutigen Lebensverhältnisse verschwinden mehr und mehr Freiräume, in denen die Kinder unabhängig von Erwachsenen mit anderen Kindern zusammen sein können. 

  • Kinder finden immer weniger Platz in unserer Gesellschaft; Lebens- und Spielräume werden immer mehr eingeschränkt. 
  • Kinder erhalten in Familien immer mehr Rechte. Ihre Ansprüche dominieren den Familienalltag. Im „Hotel Mama“ genießen sie die Versorgung bis in das Erwachsenenalter. Die Kinder verlernen, Verantwortung zu übernehmen; die Spontanität wird behindert und Freiräume kaum noch zugelassen. 
  • Kinder wachsen ohne oder mit nur wenigen Geschwistern auf. Ein selbst organisiertes oder zufälliges Treffen und Spielen auf Straßen oder Wiesen findet kaum noch statt. Kinder verabreden sich, werden verabredet oder werden verplant. 
  • Die unermessliche Fülle von Freizeitangeboten fasziniert und überfordert zugleich.Was ist gut für meine Kinder? Eltern fragen sich immer häufiger, was können, was müssen wir uns leisten, um den Anschluss nicht zu verpassen? 
  • Der übermäßige Gebrauch der unterschiedlichsten Medien bedroht zunehmend das selbsttätige Lernen der Kinder. 

Auf diese veränderten Lebensbedingungen der Kinder will unser Kindergarten reagieren und entsprechend vielfältige Freiräume und Möglichkeiten zum Spielen, Lernen und Knüpfen von Kontakten bieten.