Die Geschichte der Diakonie der St. Remberti Gemeinde begann mit der Reformation. Die gravierenden theologischen und sozial-politischen Veränderungen während des 16. Jahrhunderts erforderten eine neue kirchliche Ordnung. Bis dahin wurden die sozialen Aufgaben von der einen reichen katholischen Kirche übernommen. Seit der Reformation waren auch Laien als Verantwortungsträger in allen der Reformation angeschlossenen Landeskirchen eingebunden. Bremen schloss sich 1522 schon früh der lutherischen Lehre an[1]], trat 1531 dem Bund der evangelischen Fürsten, dem Schmalkaldischen Bund[2], bei, etwa 100 Jahre später 1618 bekannte Bremen sich auf der Dordrechter Synode zum Calvinismus[1].

Schon 1526 wurde in Bremen eine Diakonie- oder Armenordnung geschaffen, die die sozialen Probleme, d.h. die Betreuung von Armen, Kranken und Alten steuerte und regelte[3]. Die bestehenden Gemeinden richteten Diakonien ein. Als erste Gemeinde gründete Unser Lieben Frauen 1525 ihre Diakonie[4].
Bei der Gründung des Remberti Stifts um 1300 gehörte zu den Gebäuden eine Kapelle, zu Beginn des 15. Jahrhunderts wurde eine erste Stiftskirche gebaut, nachdem das Stift zuvor zerstört worden war[1]. Als Gründungsjahr der St. Remberti Gemeinde gilt das Jahr 1596[3][1].

1611 wurde die Diakonie der St. Remberti Gemeinde gegründet. Um die Geldmittel für die diakonischen Aufgaben zu rekrutieren, wurden in der Gemeinde mit Klingelbeuteln und in Gotteskisten/Armenkisten, die fest in der Kirche installiert waren, Kollekten gesammelt. Zunächst waren zwei Diakone, später sechs Diakone (zwei lutherische und vier reformierte, seit dem 19. Jahrhundert drei reformierte und drei lutherische Diakone) in der Gemeinde tätig. Sie waren und sind ehrenamtlich tätige Gemeindemitglieder. Sie machten Hausbesuche und sammelten Gelder, mit denen sie die Armen, Alten oder Kranken unterstützten und sich um Waisen und Witwen kümmerten. Die Diakone berichteten über die sozialen Zustände in den Haushalten[3]]. Sie schufen durch ihre Arbeit eine geordnete Sozialfürsorge. Auch für die Bewältigung von Katastrophen waren sie zuständig[4].
(1624-1627 starben etwa 10.000 Menschen an der Pest)[5]. Außer der Sozialfürsorge mussten sich die Diakone um die Gemeindeangelegenheiten kümmern. Sie fertigten Anträge und Bittschriften an den Senat und führten Rechnungsbücher.

Im 17. Jahrhundert hat der Rat der Stadt ein Armenhaus eingerichtet, dass von den Diakonien der Gemeinden bis 1878 verwaltet wurde. Die Stadt wurde in Distrikte eingeteilt, für die Distriktdiakone zuständig waren. Bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts war die Diakonie der St. Remberti Gemeinde auch für das Hospital zuständig[3].

1823 wurde eine Schulpflege eingerichtet, St. Remberti stellte einen reformierten Lehrer und einen Unterlehrer ein. Die Diakone waren im Rat der Schulpflege tätig. Es gab zu dieser Zeit noch keine staatlichen Schulen. Das lebendige calvinistische Geistesleben hatte großes Interesse am Volksschulwesen, an höheren Unterrichtsanstalten und trug Sorge für die Heranbildung akademischer Kräfte. Die Schulpflege wurde als seelsorgerliche Aufgabe der Gemeinde verstanden. Die Gemeinde bildete die verantwortliche Instanz, von der aus die Kirche zusammengehalten wurde. Sie kontrollierte Prediger, Lehrer und Diakone[6].

1826 erhielt die Remberti Gemeinde neben dem reformierten Prediger auch einen lutherischen Pastor[1]. Konfessionelle Toleranz war ein Grundstein der Arbeit der Diakonie, der St. Remberti Gemeinde und auch des bremischen Senats, der als „summus episcopus“ die Geschicke der Diakonie beeinflusste[3].

1841 trennten sich die Remberti Gemeinde und das Remberti-Stift. Vorausgegangen war eine Ausweitung der Stadtgemeinde im Zuge der Gründung der „Freien Hansestadt Bremen“ während der Franzosenzeit von ca. 1800 bis 1860. Die im Sprengel der St. Remberti Gemeinde lebenden Vorstadtbürger erhielten das bremische Bürgerrecht, die Gemeinde war finanziell nicht mehr vom Stiftskapital abhängig. Die Einschränkung der diakonischen Handlungsfreiheit durch die Anbindung der Kirchengemeinde an das Stift wurde aufgehoben[1].

1925 – 1933 kam es zu einer Spaltung der Gemeinde durch Pastor Uhlig, von der die Diakonie mit betroffen war.

Bis 1918 bestand eine enge Verbindung zwischen der Diakonie und dem Senat. Immer wieder wurden Diakone in die Reihen der Senatoren gewählt.

Die Diakone wurde und wird bis heute durch Kooptation, d.h. Hinzuwahl durch die amtierenden Diakoniemitglieder ergänzt und jede Wahl eines neuen Diakons sowie alle wichtigen Beschlüsse der Gemeinde wurden dem Senat angezeigt[3]. Erst die Trennung von Kirche und Staat 1918 führte zu der Gründung der Bremer Evangelischen Kirche, der BEK. Heute wird der Vorschlag eines neuen Diakoniemitgliedes gemäß §13 der Gemeindeverfassung mit mindestens 2/3 Mehrheit durch den Konvent der St. Remberti Gemeinde bestätigt[7]. 1997 wurde die erste Diakonin in der Diakonie der St. Remberti Gemeinde aufgenommen.



Literaturangaben

  1.  Das St.-Remberti-Stift - Bremens älteste soziale Siedlung im Wandel der Zeiten • Heike und Ruprecht Großmann • Verlag M.Simmering  1998
  2.  Das Zeitalter der Reformation • Walther Peter Fuchs • Handbuch der deutschen Geschichte, Bd. 8 • Gebhardt, DTV1973
  3.  St. Remberti • Die Geschichte einer Bremischen Gemeinde • von Pastor Walter Schomburg • 1962
  4. Von der Gotteskiste zur sozialen Fürsorge • 475 Jahre Liebfrauendiakonie in Bremen • Dietmar von Recken, Edition Temmen 2000
  5. Geschichte der Freien Hansestadt Bremen • Bd. 1  Von den Anfängen bis zur Franzosenzeit (1810) • Bd. 2  Von der Franzosenzeit bis zum ersten Weltkrieg (1810-1918) • Bd. 3  Bremen in der Weimarer Republik (1918-1933) • Bd. 4  Bremen in der NS-Zeit (1933-1945) • Bremen 1995 • Schwarzwälder,  Herbert
  6. Das Zeitalter der Glaubenskämpfe • Ernst Walter Zeeden • Handbuch der deutschen Geschichte, Bd.9 • Gebhardt, DTV 1973
  7. Leitregeln der St.Remberti-Diakonie von 1611 zu Bremen • Neufassung vom 11.Dezember 1992