Veröffentlicht von Isabel Klaus am Mo., 4. Mai. 2020 15:01 Uhr

Isabel Klaus: Liebe Frau Kothe, liebe Katja, wie lange war der Kindergarten geschlossen und wie lief das mit der Notbetreuung? 

Birgit Kothe: Gleich nach Ausbruch der Krankheit Anfang/ Mitte März begann die Notbetreuung im Kindergarten, aber nur wenigen Kindern Da ich mich in der Zeit im Urlaub befand, musste leider Katja diese erste und sehr unruhige Zeit mit dem Team meistern. Die Begleitung durch den Landesverband hat da ein wenig geholfen. Die Schließung der Kindereinrichtungen für zwei Wochen erfolgte erst im April, da die Gefahr der Ansteckung für einige Kollegen sehr groß wurde. 

Katja Sengülsen: Als am 13.03.2020 die Nachricht kam, dass ab Montag 16.03.2020 die Kitas geschlossen werden, war der Stress richtig groß, weil keiner richtig wusste was zu tun ist. Ich habe einfach alles(zum Glück richtig) so entschieden wie ich es verstanden habe. Birgit fehlte mir halt so sehr, zu zweit ist doch alles viel leichter. Aber Frau Jördens (unsere Bezirksleitung) war immer ansprechbar und auch mit anderen Kita-Leitungen war immer ein stetiger Austausch. Am 16.03 und 17.03 war der Kindergarten ganz geschlossen und ich konnte in diesen 2 Tagen planen wie es weiter geht. Ab Mittwoch ging die Notbetreuung los und alle Kolleginnen waren anwesend. 

Isabel Klaus: Was haben unser Erzieherinnen und unser Erzieher gemacht? 

Birgit Kothe: Zuerst waren noch alle anwesend, die Gruppenräume wurden aufgeräumt, desinfiziert, das Material sortiert. Später, während einige Mitarbeitenden in der Kindernotbetreuung aktiv waren, haben die anderen Kollegen aus dem Homeoffice heraus an unserem Konzept gearbeitet und versucht, durch kleine Videosequenzen den Kontakt zu den Kindern zu halten. 

Katja Sengülsen: Da ist nicht mehr viel hinzuzufügen, aber es wurde richtig viel geschafft für das Konzept! 

Isabel Klaus: Nun ist ja wieder mehr Betrieb im Kindergarten. Welche Kinder dürfen kommen und wie viele sind da? 

Birgit Kothe: In der ersten Zeit haben wir nur Kinder betreut, deren Eltern beide in sogenannten systemrelevanten Berufen gearbeitet haben. Später wurden die Kriterien für eine Inanspruchnahme der Notbetreuung schrittweise gelockert. Jetzt stehen wir in einem engen Kontakt mit den Eltern, um nach Möglichkeit allen Anträgen gerecht zu werden. 

Katja Sengülsen: Es ist viel Arbeit alle Anträge anzuschauen und nochmal genau schauen, wer kommen darf und wer nicht und kontrollieren zu lassen, von unsere Vorgesetzten, wer wirklich einen Platz bekommen darf. 

Isabel Klaus: Ist unser Koch Pablo auch wieder da? Oder was macht er gerade?

Birgit Kothe: Ohne Pablo und Vera geht es natürlich nicht. Zu Beginn der Notbetreuungszeit haben die Kinder ihr Mittagessen mitgebracht und wir haben es in der Mikrowelle erwärmt. Seit zwei Wochen sind Pablo und Vera wieder in der Küche im Einsatz und zaubern uns unter hohen Hygienestandards ein tolles Essen. Dies freut nicht nur unsere Kinder, sondern auch alle Mitarbeitenden.  

Katja Sengülsen: Es hat super geklappt, das die Kinder in der Notbetreuung Essen dabei hatten und wir es dann in der Mikrowelle warm gemacht haben. Aber ich glaube ALLE sind glücklich, dass es wieder Mittagessen gibt!!!!

Isabel Klaus: Welche neuen Regeln gelten nun im Kindergarten? 

Birgit Kothe: In den Gruppen befinden sich maximal 5 Kinder mit je 2 Erzieher*innen, die ihre zugewiesenen Gruppenräume nicht verlassen dürfen, also leider nicht wie sonst, als alle Kinder unsere Räume im ganzen Haus erkunden durften. Auch das Spielen auf dem Außengelände erfolgt nur noch in abgegrenzten Bereichen, so dass es keine Berührungen zu anderen Kindern aus anderen Gruppen gibt. Die Eltern müssen beim Bringen und Abholen eine Gesichtsmaske tragen und dürfen die Gruppenräume nicht betreten. Somit gibt es leider nicht mehr so viel Gesprächs- und Austauschmöglichkeiten mit den Eltern. 

Katja Sengülsen: Es wird viel mehr desinfiziert! Überall haben wir Desinfektionstücher und Handschuhe liegen (natürlich nicht zugänglich für die Kinder). Wir müssen immer zwischendurch alle Türklinken, Tische usw. abwischen. Das Außengelände wird geteilt für 4 oder 5 Gruppen.  

Isabel Klaus: Wie gehen die Eltern damit um? 

Birgit Kothe: Wir haben eine sehr gute Elternschaft und treffen auf viel Verständnis und Unterstützung. Auch Sie wünschen sich natürlich viel Sicherheit für Ihre Familien und gebe den Kollegen auf digitalem Wege positive Rückmeldungen für unsere Bemühungen. 

Katja Sengülsen: Mit den Eltern lief es wirklich von Anfang an super. Als die ersten Kinder in der Notbetreuung waren, ging alles immer über den „ kurzen Dienstweg“. Das heißt, man kommunizierte mal eben zwischendurch, das war eine große Erleichterung für mich! 

Isabel Klaus: Kommen die Kinder gut klar damit? 

Birgit Kothe: Die Kinder, die sich in unseren Einrichtungen befinden, spüren die Veränderungen, haben aber keine Angst und sich schnell an die veränderten Gegebenheiten gewöhnt. Aber es fehlen ihnen die Freunde, auch die aus den anderen Gruppen. Es ist bei uns im Augenblick sehr ruhig und still geworden, den anwesenden Kindern fehlt die aufregende Atmosphäre in unseren Häusern.  

Katja Sengülsen: Aber einige Kinder genießen auch die kleinen Gruppen. Trotzdem fließen morgens auch mal  ein paar Tränen beim Aschied. 

Isabel Klaus: Wie geht ihr mit dieser Situation um? 

Birgit Kothe: Obwohl die Situation sich in unserem Kindergarten wöchentlich ändert und uns manchmal täglich neue Informationen erreichen, die wir schnell umsetzen müssen, kommt langsam eine Ordnung in das „Chaos“. Wir gewöhnen uns etwas an diese außergewöhnlichen Tagesabläufe, obwohl uns eine leichte Angst und Verunsicherung während dieser Pandemie immer weiter begleitet. Wir möchten nicht „überreagieren“,  aber auch keine Fehler machen, die dann eine schwere gesundheitliche Folge für alle Erwachsenen und Kinder haben könnte. 

Katja Sengülsen: Eigentlich läuft alles ganz gut. Trotzdem wünsche ich mir den Alltag zurück! Ich bin froh, dass Birgit und ich zusammen im Büro sind, da ist dann alles leichter und man kann immer reden. Auch wenn einer von uns mal nicht da ist, telefonieren wir immer miteinander. Es kommen ja ständig neue Änderungen die wieder kontrolliert und besprochen werden müssen und das ist schon sehr anstrengend und zu zweit ist es einfach besser alles zu erledigen. 

Auch fehlt mir, dass die Gemeinde zu ist. Sonst ging man z.B. die Post holen, traf jemanden und konnte mal eben etwas schnacken. Die Gottesdienste sind ja, Gott sei Dank, online bei YOUTUBE zu schauen.

Kategorien #KircheZuhauseErleben