Veröffentlicht am Mo., 13. Apr. 2020 22:05 Uhr

Ihr Lieben!

Wenn Ihr dies hier lest, wird unsere Rembertikirche leer sein, ohne Osterhymnen, Taufen, gemeinsames Frühstück und Eiersuchen. Wie ein Grab liegt sie da. Schmerzhaft daran erinnernd, was wir gerade nicht mehr haben. Was wir verloren haben und vielleicht noch verlieren werden. Gräber sind im Allgemeinen Schlusspunkte. 

Doch das Ostergrab ist anders. Es ist zugleich Ende und Anfang, Doppelpunkt, Durchgangsstation. Hier beginnt etwas unbegreiflich Neues, das darauf wartet, von uns mit Leben erfüllt zu werden.

Unsere Kirche wird leer und verschlossen sein, aber an der Tür wird ein großes Plakat hängen mit der Osterbotschaft: „Er ist nicht hier! Er ist auferstanden!“ 

Diese Vieldeutigkeit entlockt mir schon ein Schmunzeln. Ist sie doch wie eine Steilvorlage für jene, die meinen Jesus hätte bei den liberal freidenkerischen Rembertianern kein Zuhause. Darüber hinaus jedoch ist die Osterbotschaft an der Kirchentür ein starkes Symbol dafür, dass sich die Auferstehung Jesu nicht an kirchlichen Räumen, Ritualen und Dogmen festmacht. All das sind nur Durchgangsstationen in unser Leben hinein. Die Hände, Füße, Mund und Ohren des Auferstandenen sind unsere Hände, Füße, Münder und Ohren. 

50 Meter neben der Kirchentür hat ein Obdachloser sein Lager bei den Fahrradständern aufgeschlagen, schräg gegenüber im Netto warten die Verkäuferinnen auf ein freundliches Wort des Dankes für ihr Engagement. Ein paar hundert Meter weiter besuchen Trauernde die Gräber ihrer Freunde und Verwandten. Es warten Menschen auf unsere Anrufe und Briefe; Hilfsorganisationen und Notleidende auf unsere Spenden.

Auferstehung und Ostern sind mehr als die christliche Variante des Frühlingserwachens. Es ist die Erfahrung, dass das offene Grab trotz aller persönlichen Betroffenheit unsere Herzen, Hände und Augen öffnet.

Stehen Sie fröhlich auf und bleiben Sie behütet!

Ihr Uli Bandt

Kategorien #KircheZuhauseErleben