Veröffentlicht am Sa., 11. Apr. 2020 19:00 Uhr

Ich habe ein Déjà-vu:

Vor zwei Jahren saß ich schon einmal hier vor meiner Tastatur und habe mir den Kopf zerbrochen, wie ich diesen Abschiedsbrief beginnen soll. Damals 2018 war ich Vikarin in der St. Remberti Gemeinde und auf dem Weg in meine zweite Gemeinde.

Und heute, zwei Jahre später, ist zwar einiges bei mir passiert (mein Sohn Jarne wurde geboren, ich habe mein 2. Examen bestanden, wurde ordiniert und bin Pastorin) doch ich sitze wieder hier, bin auf dem Weg in eine neue Gemeinde und muss mich von Ihnen und euch verabschieden. 

Und das ausgerechnet jetzt. Wo gerade alles anders ist als sonst und ein richtiger Abschied gar nicht möglich ist. Ich kann mich nicht persönlich verabschieden, nicht die Hand geben und vor allem nicht noch einmal Gottesdienst feiern.

Besonders das hat mir in den letzten Monaten so viel Freude gemacht. In der schönen St. Remberti Kirche mit Ihnen und euch zu singen, zu beten und nachzudenken. Und danach beim Kirchencafé über Gott und die Welt zu schnacken und den ein oder anderen Keks zu naschen. Seit Oktober durfte ich noch einmal in die bunte, liberale Remberti Welt eintauchen: Ballons zum Kirchturm steigen lassen, mit wunderbaren Schafen, Engeln und co. Heiligabend feiern, mit meinen lieben Kolleg*innen Isabel Klaus und Uli Bandt den Jahresempfang gestalten, über die Bibel diskutieren und, und… und jetzt am Ende fühlt sich alles wieder so vertraut an. Wenn ich aus der Straßenbahn steige und den Weg zur Kirche gehe - habe ich das Gefühl angekommen zu sein. 

Und doch wusste ich die ganze Zeit, dass es nur ein „Angekommen sein“ auf Zeit sein kann. Als Pastorin im Entsendungsdienst ist es meine Aufgabe Bremer Gemeinden zu unterstützen, bei denen es aktuell an Pastor*innen fehlt. Und so führt mich mein Weg nun weiter und ich muss „Auf Wiedersehen“ sagen. 

Die nächsten Monate werde ich in den Gemeinden Rablinghausen und Seehausen und freue mich auf eine wunderschöne Kirche am Deich, einen riesigen Gemeindegarten und sehr nette Mitarbeitende, die mich bereits herzlich empfangen haben.

So sage ich „Auf Wiedersehen“ mit den berühmten zwei Augen: einem Lachenden und einem Weinenden. Und auch das ist wieder ein Déjà-vu, genauso war es damals 2018 auch schon.

Ich möchte mich bei Ihnen und euch allen von ganzem vollem Herzen bedanken: Ohne euch hätte ich nicht so ankommen können, ohne euch gäbe es jetzt kein weinendes Auge!

Und so bleibt mir damals 2018 wie heute 2020 nicht mehr als zu hoffen, dass wir uns (gesund!) wiedersehen!

Und bis wir uns wiedersehen, halte Gott dich fest in seiner Hand!

Ihre und Eure Hannah Detken 

Kategorien #KircheZuhauseErleben