Veröffentlicht am Mo., 6. Apr. 2020 14:06 Uhr

Ich glaube nicht an Weissagungen. Es gibt keine Glaskugel und keine Karten aus denen mir jemand lesen kann was morgen oder übermorgen oder Mittwoch in drei Jahren geschehen wird. Doch es gibt diese eine Woche im Jahr. Diese eine Woche in der jeder Tag eine Bedeutung hat. In der alles auf diesen einen Morgen hinausläuft und alles genau so kommen muss, wie es kommt.

Und jetzt ist sie wieder da. Unter Bedingungen, wie ich sie nicht kenne. Unter Regeln und Maßnahmen, die unsere Welt gerade vollkommen bestimmen.

Es wird alles anders sein als sonst. Und doch wird es so sein wie immer. 

Die Karwoche beginnt. Die große Woche.

Sie ist die größte unter allen Wochen. In der alles stirbt und alles neu beginnt. 

Die Woche in der Sinn und Unsinn sich die Hand reichen. 

Die größte Geschichte, die ich kenne. 

Die jedes Jahr wieder unglaublich meinen Glauben berührt und festigt. 

Sonntag

Jerusalem feiert. Die Menschen stehen auf der Straße und feiern. Feiern ihn, der da auf einem Esel kommt. Ganz glanzlos und doch strahlend wie sonst keiner. Die Hoffnung der Menschen ist fast greifbar. Sie flimmert durch die Luft, wie kleine aufgeregte Kolibris fliegen Sehnsüchte umher. Er ist da. Jetzt wird alles so wie es sein soll. Alles wird gut.  

Montag

Nichts wird gut. Die ersten stecken die Köpfe zusammen. Die nächsten zeigen mit dem Finger auf ihn. Und er? Jesus? Er geht weiter als wäre nichts gewesen. 

Dienstag

Er geht und macht weiter. Weiterhin tut er das, was niemand erwartet. Isst in aller Ruhe mit seinen Freunden und Freundinnen. Und dann kommt da sogar eine Frau und gießt kostbarstes Öl auf ihn. Kostbar rinnt es von Stirn über Nase über Mund. Er wischt es nicht weg. Er lässt es laufen, so wie er alles laufen lässt.

Mittwoch

Einer sieht alles aus dem Ruder laufen und will das Ruder umreißen. Er geht zu denen, die die Köpfe zusammenstecken und steckt seinen dazu. Er weiß was getan werden kann und muss. Das muss ein Ende haben sagt er. Münzen wechseln den Besitzer. Pläne werden geschmiedet. Das Schwert bereitgelegt. Es geht…

 

Donnerstag.

…los. Auf die Plätze, fertig… Sie sitzen auf ihren Plätzen und essen. Sie feiern gemeinsam ihr Fest, so wie sie es immer tun. Zusammen wird gelacht, erzählt, geteilt. Einer zittert, der andere bleibt stark. Bis er alleine im Dunkeln ist. Da lässt er die Tränen laufen, lässt die Angst zu. Schreit und wartet auf Antwort: Wo bist du? 

Freitag

Sie wissen wo er ist und nehmen ihn mit. Er wehrt sich nicht, er lässt es laufen. Läuft mit ihnen mit. Vor den Hohepriester und vor den Entscheider. Die Entscheidung fällt. Ist längst gefallen und war es wohl schon immer. Er geht mit der Entscheidung, er trägt sie auf seinen Schultern. Die Krone sitzt schief. Die Nägel sitzen tief. Er schreit und wartet auf Antwort: Mein Gott wo bist du, warum hast du mich verlassen?

Samstag

Es gibt keine Antwort. Es gibt nur Schweigen. Fassungslose Stille. 

Sonntag

Still ist es in aller Frühe. Die Sonne blinzelt und die drei blinzeln zurück. Treten langsam und still näher. Wollen ganz nah zu ihm dieses eine letzte Mal noch. Doch es ist anders als sie denken. Als alle denken. Als alle je gedacht haben. Das Denken kommt hier nicht weiter. Es geht weiter, und weiter. Weiter als alles was wir uns ausmalen können. Weiter als alle unsere Fragen kommen können. 

Die Antwort lautet: Er ist nicht hier. Er ist auferstanden.

 

 

 

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