Veröffentlicht am Mo., 6. Apr. 2020 14:00 Uhr

Statt in der Gemeinde Gruppen und Kreise anzubieten und Besuche zu machen verbringe ich meine Zeit am Telefon. Gemeindeglieder, von denen ich eine Telefonnummer habe, werden angerufen. „Wie geht es Ihnen, sind Sie noch gesund?“ ist die erste Frage und „brauchen Sie Hilfe im Alltag, beim Einkaufen etc?“ die zweite. Der Hinweis auf das Online- Angebot folgt.

Trotz der Einschränkungen des öffentlichen und persönlichen Lebens lassen sich schöne Entwicklungen bemerken: Zum Einen haben die Jugendleiter (die eigentlich mit den KonfirmanInnen in Hohenfelde gewesen wären) angeboten, Einkäufe für Senioren zu erledigen. Das ist doch klasse, und tut sowohl den Jugendlichen als auch den Senioren gut. Es gibt Begegnung – auf Distanz - , aber die Jugendlichen setzen sich nun mit den Menschen in ihrer Umgebung auseinander und sind für sie da. 

Zum anderen höre ich aus den Familien die Rückmeldung: Endlich sitzen wir mal alle zusammen ohne Zeitdruck am Tisch. Das hatten wir als Familie lange nicht mehr. Neue Begegnung, Zeit füreinander. Na klar knallt es auch mal, aber ich denke, das ist normal. Dafür gibt es neue Erlebnisse, die vorher nicht möglich waren. Ein Vater, der vom Homeoffice aus mitbekommt, was seine Frau jeden Nachmittag bei den Hausaufgaben leistet. Und der nun selber die Möglichkeit hat, mit seinem Sohnemann abends eine Runde Fahrrad zu fahren.

Und eine Dame, der ich telefonisch zum Geburtstag gratuliert habe sagte sogar: „Das war der schönste Geburtstag den ich jemals hatte“. Statt Besuch und viel Vorbereitung mit Kochen und Putzen gab es einen entspannten Tag nur mit Ehemann, aber mit vielen kleinen unerwarteten Freuden: Die Telefonate mit Freunden von Außerhalb waren länger und hatten Tiefgang, es gab ein Ständchen über den Gartenzaun, einen gesungenen Gruß am Telefon und Blumen vor der Haustür,… Ein Tag ganz anders, der  viel Kreativität freigesetzt hat. Ohne Pflichten als Gastgeber. 

Mir zeigen diese kleinen Erlebnisse wieder einmal, wie wichtig es ist, sich im Alltag Freuden zu schaffen. Ein freundlicher Blick, ein Zweig aus dem Garten, ein Anruf, ein echtes Gespräch. Viel braucht es nicht, damit unsere Seele Futter bekommt und zufrieden ist. Wahrnehmen, dass es uns trotz Corona-Krise gut geht. Wir haben ein Zuhause, haben Strom, Heizung und fließend Wasser, Kleidung und wir werden jeden Tag satt. Wir haben Fernseher und Internet, Telefon und können selbst unsere fernen Verwandten und Freunde beim Telefonieren sehen. Gott sei Dank!

Ja, die Zeit ist anderes als sonst. Aber sie bietet auch Möglichkeiten zur virtuellen Begegnung, dem Erleben von Hilfsbereitschaft und Muße. Und leicht schmunzelnd kann ich noch sagen: Wenn ich wieder Besuche machen kann und darf, dann komme ich in Wohnungen, die blitzeblank sind. Der Frühjahrsputz ist erledigt, die Gardinen gewaschen und manche unangenehme Aufgaben ist auch noch gleich fertig – wie schön! 

Bleiben Sie gesund und greifen Sie gerne zum Telefonhörer, wenn Sie mal sprechen möchten. Schauen Sie in Ihr Adressbuch und lassen alte Kontakte aufleben. Jeder freut sich, mal angerufen zu werden. Fangen Sie an.

Elke Schaar

Kategorien #KircheZuhauseErleben