Veröffentlicht von Isabel Klaus am Mo., 23. Mär. 2020 14:07 Uhr

In den letzten Tagen habe ich immer wieder an die schöne biblische Geschichte von der Arche Noah gedacht: Als Noah anfing die Arche zu bauen, hielten ihn alle für verrückt. Also wirklich! Baute er da einen riesen Kasten! Donnerlittchen! Kein Schiff, sondern einen Kasten. Und nicht einfach einen Kasten, der dann da rum steht, nein, dieser Kasten soll auch noch schwimmen! Ja, wo denn bitteschön? In der Wüste? Seine Freund*innen und die Dorfbewohner*inne hielten ihn sicher für schwer überspannt, wenn nicht gar für völlig bekloppt. Aber Noah ließ sich nicht beirren. Die Familie half mit, alle zogen an einem Strang. Die Arche musste fertig werden. 

Und dann fing es an zu regnen. Noah ließ die Tiere kommen. Jeweils ein Pärchen. Und sie kamen. Sie hielten Noah nicht für überspannt. Sie hatten die Gefahr längst gewittert. Als die Sintflut nach vielen Regentagen das Land nach und nach verschluckte, nahm Noah seine Familie an Bord und die Tiere, schloss die Arche und wartete darauf, dass sie sich heben und schwimmen möge. Ich stelle mir vor wie das geknirscht hat im Gebälk. Ich stelle mir vor, wie still es in diesem Moment in der Arche war. Die Stille der Angst. Und dann kam die leicht benommen machende Erlösung: Die Arche hob sich und schwamm auf der Sintflut. Somit war die Chance zu überleben um ein Vielfaches gestiegen.

Wir sind in einer ganz ähnlichen Situation. Unsere Arche Noah ist unser Zuhause. Genauso wie Noah ziehen wir uns mit unseren Familien, Partnern und Partnerinnen zurück aus dem Leben in unser Zuhause. Es ist auch ein Kasten. Zwar kein schwimmender, aber sehr komfortabel ausgestattet. Die Arche Noah hatte sicherlich keine Balkonkabinen, keine Stromversorgung – gab ja damals gar keinen. WLAN war auch nicht da. Auch keine Gefriertruhen oder Kühlschränke mit Käse, Wurst, Eiern und Gemüse. Und eine Dusche oder eine Toilette mit einem großen Vorrat an Toilettenpapier gab es auch nicht. Kein Telefon. Oh mein Gott! Das müssen Zustände in der Arche gewesen sein! Dann können wir doch froh sein, dass unsere kleinen Zuhause-Archen so prachtvoll eingerichtet sind. Wasser ist da, Strom, WLAN, Telefon, Fernseher, Herd, Ofen, Korkenzieher. Alles gut!

Deswegen können wir nun ganz ruhig durch diese Zeit fahren in unserer Zuhause-Arche. Und wenn es zu still wird und zu einsam, dann telefonieren wir. Jeder kann uns anrufen! Auf unserer Homepage finden sie die Nummern. Haben Sie keine Scheu! Sie brauchen keinen triftigen Grund. 

„Ich wollte einfach mal eine Stimme hören und ein bisschen reden...“ 

Das ist Grund genug. Ich freu mich sie zu hören! 

Kategorien Predigten