Veröffentlicht von Isabel Klaus am Mo., 23. Mär. 2020 08:00 Uhr

Leider sind es keine schönen Ohrwürmer, oder pummelige Frühlingshummeln, die da summen und brummen. Es sind unzählige Nachrichten. Live-Ticker. Eilmeldungen. Expert*innenmeinungen. Es sind unzählige Meinungen von Menschen auf Twitter. Corona brummt in meinem Kopf und macht mir Kopfschmerzen. 

Heute morgen habe ich das Radio gleich wieder ausgeschaltet, ich konnte es nicht mehr hören. Und dann machte ich mein Handy an und die Welle überrollt mich erneut. Es gibt kein Entkommen. Vor dem Virus an sich kaum. Und vor den Nachrichten und Meinungen über den Virus erst Recht nicht.Und ich bekomme immer mehr Angst. In meinem Bauch grummelt es und mein Herz zieht sich zusammen. Es ist nicht der Virus, der mir die meiste Angst macht. Es sind die Meinungen. Wenn ich in die ganze Meinungswelle im Internet und im Radio und auf der Straße eintauche, dann gehe ich unter. Ich versinke in einem Strudel aus Vorwürfen, Moralisierungen und Beschimpfungen:  

Wer jetzt noch im Café sitzt ist ein Penner. 

Wer als Oma ihren Enkel noch sieht ist unbelehrbar und dumm. 

Wer noch Zug fährt ist suizidgefährdet.

Es scheint ganz klar, wer Recht hat und wer nicht. Die einen retten die Welt und die anderen stoßen sie ins Verderben. Es scheint fast, als wären die einen verantwortlich für Tod und die anderen fürs Überleben. Das macht mir Angst. Jetzt gerade ist nicht sicher, was passieren wird. Morgen, oder auch in den nächsten Stunden. Diese Unsicherheit ist verdammt schwer zu ertragen. Und sie wird leichter wenn die einen Schuld sind und die anderen nicht. Und darum habe ich Angst. Dass wir es uns zu einfach machen und wissen wer Schuld hat: Die Chines*innen, die Italiener*innen, die Skiurlauber*innen, die renitenten Großeltern oder die Zugfahrer*innen. Denn sie haben keine Schuld. Die hat niemand! Wir tragen alle dieselbe Verantwortung.Wir stehen nicht übereinander, sondern nebeneinander. Meine Antwort auf die Meinungswelle, die Schuldvorwürfe und die Moralisierungen lautet darum: 

"Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!« Wenn ihr euch aber untereinander beißt und fresst, so seht zu, dass ihr nicht einer vom andern aufgefressen werdet." (Ist natürlich nicht von mir, sondern von Paulus)

In diesem Sinne: Fressen Sie sich nicht gegenseitig auf! Bleiben Sie alle gesund und vor allem behütet! Und vergessen Sie auf keinen Fall die Liebe zum Nächsten, zur Nächsten und zu sich selbst!  

Ihre Hannah Detken 

Kategorien Predigten