Veröffentlicht von Isabel Klaus am Fr., 1. Mär. 2019 11:06 Uhr

Der Feininger-Psalm

Die Himmel erzählen von der Schönheit Gottes, und die Erde beschreibt seine Kunst von den Bergen bis in die Täler. Die Meere erzählen von der Tiefe Gottes, und die Horizonte betasten seine Unendlichkeit.1

So klingt es als unterhielte sich die ewige Harmonie mit sich selbst. So wie es sich etwa in Gottes Busen kurz vor der Weltschöpfung zugetragen haben mag.2

Ein Tag sagt es dem andern, und eine Nacht flüstert es der andern, ohne Sprache und ohne Worte. Unhörbar ist die Stimme der Himmel, Erden und Meere. Ihr Raunen ummantelt das ganze Sein bis an die Enden der Welt.3

Bis in mich hinein, denn ich habe im Inneren einen Himmel von Schönheit, den die Alltagsphilister niemals empfinden können.4

So hebe ich denn meine Augen auf zu den Bergen. Von dort leuchtet die Liebe in mich, mit der Himmel und Erde gemacht.5

Und als ich so lauschte in die tiefen Weltgründe hinein, bewegte sich mein Innen und es war mir, als wenn ich weder Ohren, am wenigsten Augen und weiter keine übrigen Sinne besäße und brauchte.6

Und so weiß ich: Meine Füße werden nicht straucheln, weil Gott nicht schläft, sondern mich behütet, und mit mir geht Seite an Seite.7

Augenblick um Augenblick verfliegt alles zehrende Grübeln, alle Beklommenheit und Nervosität. Hier schenkt mir der Weltgrund eine neue Weltperspektive.8

So lass dir gefallen die Rede meines Mundes und das Gespräch meines Herzens.

Wir werden hier wie im Maler-Himmel sein.10

 


| 1 |Psalm 8 Übersetzung IK | 2 |Goethe 1827 | 3 |Psalm 8 Übersetzung IK | 4 |Feininger 1905 | 5 |Psalm 121 Übersetzung IK | 6 |Goethe 1827 | 7 |Psalm 121 Übersetzung IK | 8 | Feininger 1914 | 9 |Psalm 121 | Übersetzung IK | 10 |Feininger 1919

Text | Isabel Klaus | Zitate siehe Nummerierung

Bild | Isabel Klaus | Remberti ver-feininger-t

Kategorien Kunstgottesdienst