Veröffentlicht von Isabel Klaus am Mo., 18. Feb. 2019 10:04 Uhr

Predigt | 10. Februar 2019 | Pastorin Isabel Klaus

Habt ihr euch mit eurem Schicksal abgefunden oder wollt ihr noch eine Delle ins Universum schlagen? Mit dieser Frage stieg ich in die Straßenbahn und fuhr Richtung Stadt. Als sich die Türen schlossen, blieb der Sturm draußen. Ungemütliches Wetter. Und diese Sturmböen, die ganze Bäume bogen, jagten mir doch ein bisschen Respekt ein. Das muss Jona ähnlich gegangen sein, als Gott wie ein Sturm ihm persönlich mitteilte, geh nach Ninive und sag denen mal eben, dass sie untergehen. Jona fügt sich nicht in dieses Schicksal, sondern er läuft davon. Entflieht ihm. Mit einem Schiff. Raus aufs Meer. Und da hat Jona erstmal Ruhe. Schläft schön unten im Schiffsbauch. Bekommt gar nichts mit von dem Sturm, der draußen auf dem Meer aufzieht. Seinetwegen. Die Seeleute bangen um ihr Leben. Holen Jona. „Es wütet der Sturm,“ schreien sie ihn an: „Und er peitscht die Wellen, und die Welln, wutschäumend und bäumend, türmen sich auf, und es wogen lebendig die weißen Wasserberge, und das Schifflein erklimmt sie, hastig mühsam, und plötzlich stürzt es hinab in schwarze, weitgähnende Flutabgründe...“ Jona versteht. Er muss sich seinem Schicksal ergeben. Nehmt mich, sagt er, werft mich ins Meer. Aber die Seeleute wehren sich noch, steuern das Land an. Aber es ist aussichtslos. Sie nehmen Jona und werfen ihn in die weitgähnenden Flutabgründe. Und als wäre er wie ich in die Straßenbahn gestiegen, ist plötzlich Ruhe. Der Sturm verstummt. Die Wellen glätten sich. Ein Fisch verschluckt ihn und Jona sitzt drei Tage und Nächte in seinem Bauch, wie Jesus einst in seiner Grabeshöhle. Immer wieder staune ich über diese Jonaerzählung. Hohe Erzählkunst. Nein, natürlich kein historischer Tatsachenbericht. Eher die Kategorie Glaubensmärchen. Tiefsinnig und berührend. 

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