Veröffentlicht am Mi., 1. Feb. 2017 12:00 Uhr

Remberti 2020, dies Motto atmet Zukunft. Offene, angeregte Diskussionen mit vielen Vorschlägen, manchmal durchaus auch eine heitere Stimmung – das war ein Kennzeichen der Veranstaltung, zu der sich am 21. Januar 2017 etwa 40 junge und alte Rembertimitglieder trafen. Das Treffen ging auf eine Initiative zurück, die sich anlässlich des Herbstkonvents 2016 um Pastor Uli Bandt und die Kirchenvorstandsmitglieder Markus Elbrecht, Sibylle Fahsel, Wietje Pawelek-Golinski, Christiane Rieve und Oliver Schulz gebildet hatte: Wie soll eigentlich unsere Gemeinde in Zukunft aussehen? Was finden wir gut? Was fehlt uns?
Bei einem so weit gefassten Zugang braucht es Arbeitsgruppen. In Gruppen wurden Vorschläge zu verschiedenen Themen erarbeitet: Verwaltung und Infrastruktur, das geistliche Profil, die Gemeinde als Platz für Austausch und Freundschaft, die Gemeinde und ihre Medien. Hier nur einige Schlaglichter aus der Auftaktveranstaltung.
Transparenz! Manchmal wirkt die Gemeinde sehr nach innen gekehrt. Eine Teilnehmerin erzählte, dass sie im Sommer einmal am Kirchengelände vorbeigegangen sei, als gerade das Remberti Café International draußen stattfand. Gespräche, Musik, Tassenklappern – das schwang zu ihr herüber. Sie hätte einfach hin gehen können und sich dazusetzen... So sollte es häufiger sein. Wie können wir das Gelände um die Kirche besser nutzen? Wo gibt es „niedrigschwellige“ Angebote zur Mitarbeit? Mancher möchte sich gerne engagieren, will sich aber nicht zu sehr binden und verpflichten. Transparenz heißt nicht nur, dass die Gemeinde nach außen durchsichtig erscheinen muss, auch ihre Entscheidungen in ihren Gremien sind häufig wenig verständlich. Warum hört man in Remberti so selten etwas von der Arbeit der EKD? Was planen die Bauherren? Ist die Rembertiverfassung noch zeitgemäß, oder lastet sie Ehrenamtlern Arbeiten auf, die besser professionalisiert würden?
Kopf und Bauch! Immer wieder tauchte in den Gesprächen ein Gefühl auf, das schwer zu artikulieren ist: Manchmal, so scheint es, tut die Gemeinde zu viel für den Kopf, bietet Seminare, Vorträge, Kurse an und leistet zu wenig, wenn es um Geselliges geht. Warum nicht auch Tanzen in Remberti? Gemeinsam Kochen, gemeinsam Essen. Eine erste Idee wird bald umgesetzt: Viermal im Jahr ein Büchercafe mit Tauschmöglichkeiten auch für andere Dingen, Kaffee und Kuchen. Deutlich aber auch der Wunsch, die berufstätigen Eltern und ihre Kinder nicht allein zu lassen. Die haben auch manchmal das Bedürfnis nach einer kinderfreien Zone. Wie sieht es mit der Kinderbetreuung im Gottesdienst aus?
Kopf und Bauch, das ist ja im Grunde ein falscher und grober Gegensatz, aber wenn der Eindruck entstehen kann, dies sei nur eine Gemeinde für das Schwachhauser Bildungsbürgertum, dann läuft garantiert etwas falsch!
Gottes Geist? Ähnliche Eindrücke bestimmten auch die Diskussion in der Arbeitsgruppe, die sich mit der religiösen Praxis an Remberti beschäftigte. Allein das Wort!, hat Luther gesagt. Aber den Gesang hat er ja wohl auch gemeint. Der Chor singe zu selten im Gottesdienst! Spiritualität, also ein Glaubensleben, das nicht nur darin besteht, dass man einer gescheiten Predigt zuhört, das spiele eine zu geringe Rolle: Meditation, die Möglichkeit auch persönlicher Segnungen, Angebote, den Glauben auch körperlicher, sinnlicher erfahrbar zu machen. Welche Kirche wollen wir sein? Das fängt beim Sitzen an. Die neue Sitzordnung in der Kirche könne ein Symbol dafür sein. Nicht immer nur ist alles nach vorne ausgerichtet, man kann sich gegenseitig besser wahrnehmen. Und warum beklagen wir eigentlich immer nur, dass Kinder und Jugendliche so wenig von der Bibel wüssten. Könnte man nicht einmal (laut) darüber nachdenken, dass aus Großeltern erzählende Großeltern werden? In den Kindergarten kommen, den Kindern erzählen und mit ihnen singen?
Kommunikation! Sicher ist die Gemeinde da mit ihrem Internetauftritt, ihrem Facebook-Account, dem wöchentlichen Newsletter schon weiter als viele andere. Und doch schlummert hier ungenutztes Potenzial. Einer der Teilnehmer erinnerte daran, dass im Wort „Kommunikation“ das Wort ‚Gemeinde, Gemeinsam‘ stecke: Über den Austausch von Informationen Vergemeinschaftung schaffen, bei der man den eigenen Standpunkt formulieren, ihn an anderen messen und von anderen relativieren lassen kann. Das scheint in der modernen Mediengesellschaft mit ihrer Tendenz zu Selbstvermarktung und Selbstbestätigung verloren zu gehen. Und trotzdem sollte auch eine christliche Gemeinde nicht in Kulturpessimismus verfallen und die neuen Möglichkeiten selbstbewusst nutzen. Sind Sie, lieber Leser, schon Abonnent unseres Newsletters? Haben Sie mal bei Facebook vorbeigeschaut?
Ein erster Schritt findet aber im alten Medium statt: In diesem Jahr noch soll unser Gemeindebrief im gesamten Sprengel ausgeteilt werden, er erreicht dann auch die, die nicht Mitglieder der Rembertigemeinde sind.
Die Gemeinde will gegen den Trend – wachsen? Aber warum? Welche Gemeinde will sie sein? Die Fragen sind gestellt, die Antworten müssen folgen. Beim ersten Treffen von „Remberti 2010“ wurde ein nächstes Zusammentreffen vereinbart, in dem dann schon Projekte konkretisiert und umgesetzt werden können. Alle Informationen finden Sie auf unserer Webseite.
Bernhard Gleim

Kategorien Remberti 2020